Bisher mussten die Gemeinden zusehen, wie Plätze an Auswärtige aus Gemeinden gehen, in denen Plätze fehlen.<BR /><BR />Unter den Landgemeinden im Bozner Talkessel rumort es schon lange. Der Landeshauptstadt fehlen 600 Heimplätze. Unter Druck geraten Gemeinden im Überetsch, Unterland und im Schlerngebiet, die fleißig in Heime investierten und oft zusehen, wie sie an Gemeindefremde gehen. Das Problem besteht aber nicht nur in Bozen. Pustertal, Eisacktal und Vinschgau liegen deutlich unter dem 2019 im Rahmen der Pflegelandkarte festgelegten Schlüssel von 8,9 stationären Betten je 100 Menschen über 75 Jahren.<BR /><BR />Um Druck von den Landgemeinden zu nehmen, schlägt Landesrätin Waltraud Deeg nun eine Änderung vor. Heute besteht eine Rangordnung im Seniorenheim aus 100 Punkten, künftig sind es 110. 40 werden für Pflegebedürftigkeit vergeben, 30 für die soziale Situation des Seniors, 10 fürs Einreichedatum des Antrags. Aber: Statt 20 gibt es künftig 30 Punkte für die Ansässigkeit in der Gemeinde, in der sich das Heim befindet. „Zudem wird der Grundsatz verankert, dass Gesuche aus dem jeweiligen Bezirk vorrangig behandelt werden“, so Abteilungschef Luca Critelli.<BR /><BR />Deeg beruhigt: „Es ist nicht so, dass ein Senior mit Pflegestufe 4 aus Bozen jetzt von Ortsansässigen in Pflegestufe 1 überholt werden kann.“ Immerhin werden 2 Drittel der Punkte weiter für Pflegebedürftigkeit und soziale Lage vergeben. Aber: „Das Territoriale wird gestärkt und belohnt jene, die viel Geld in Heime investiert haben. Das erhöht den Druck auf jene, die dies nicht getan haben, und das ist richtig so“, stellt Critelli klar.<BR /><BR />Bestätigt sehen sich die Gemeinden. 2018 wurden reservierte Plätze für Ortsansässige gestrichen. 2019 stellte der Landeshauptmann 30 Punkte für die Ansässigkeit in Aussicht. Jetzt werden sie eingeführt. „Die Gemeinden stemmen 2 Drittel der Baukosten eines Heimes, weshalb grundsätzlich ihre eigenen Leute hineinkommen sollten“, sagt Gemeinden-Präsident Andreas Schatzer. Der Senior aus Bozen könne zwar nichts dafür, wenn dort Heimplätze fehlen. „Der Kastelruther Senior kann aber auch nichts dafür, wenn er einen Platz im Seniorenheim benötigt, dieses aber voll mit Auswärtigen ist“, sagt Schatzer.<BR /><BR />„Mehr Punkte für Ansässigkeit ist auch von unserer Seite eine alte Forderung“, sagt Martina Ladurner vom Verband der Seniorenheime. Diese seien keine sanitäre, sondern eine soziale Einrichtung. „Wir brauchen die Mischung zwischen stark und weniger Pflegebedürftigen, damit das Heimleben funktioniert.“ Angesichts des Personalmangels sei die Hilfe von Freiwilligen und Vereinen unerlässlich. „Und die arbeiten auch lieber mit, wenn es um die Leute aus dem eigenen Dorf geht“, meint Ladurner.<BR /><BR />Bleibt zu sagen, dass Deegs Beschluss noch 3 weitere wichtige Neuerung enthält. „Wir gehen von der Vorgabe ab, dass jedes Heim, wenn es saniert wird, auf 40 Betten aufgestockt werden muss“, so Deeg. Auch kleinere Heime hätten ihre Berechtigung. „Vorausgesetzt allerdings, sie investieren beim Umbau in Vorstufen wie Tagespflegeplätze und Möglichkeiten des betreuten Wohnens“, so Deeg. Erleichtert wird zudem die Verlegung zwischen den Heimen.<BR /><BR />Teil der Akkreditierung von Heimen wird zudem ein einheitliches EDV-System, das für mehr Transparenz sorgen soll. „Mittelfristig sollte man auf Knopfdruck sehen, wo wie viele Plätze frei sind und aus welchem Grund sich ein Bürger auf welchem Platz einer Rangordnung befindet“, so Deeg. <BR /><BR />