Montag, 14. Oktober 2019

„Alto Adige“ entfernt: Empörung

Mit der Streichung der Bezeichnung „Alto Adige“ aus dem Europagesetzentwurf hat sich die SVP ein Ei gelegt: Denn das Thema erregt bereits auf gesamtstaatlicher Ebene Aufsehen. Am Montag wird das SVP-Präsidium darüber beraten, wie man aus dem Schlamassel wieder herauskommen kann.

Die Drei Zinnen sind eines der Wahrzeichen von Südtirol.
Badge Local
Die Drei Zinnen sind eines der Wahrzeichen von Südtirol. - Foto: © Armin Sparer
SVP-Obmann Philipp Achammer betont: „Eine Provokation war nicht unsere Absicht.“

Die Initiative zur Ersetzung des Begriffs „Alto Adige“ in der italienischen Version des Europagesetzestextes mit „provincia di Bolzano“ kam von der Süd-Tiroler Freiheit – im Landtag.

SVP und Freiheitliche zogen mit. Die Lega war anfangs für die Streichung von „Alto Adige“, am Ende dagegen. Und so wurde „Alto Adige“ aus dem Gesetz entfernt. In der deutschen Text-Version steht an gleicher Stelle aber „Südtirol“ statt „Provinz Bozen“.

Der italienischen Nachrichtenagentur Ansa gegenüber erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher: „Es stimmt nicht, dass die Bezeichnung 'Alto Adige' abgeschafft worden ist. Das wäre auch gar nicht möglich. Die Bezeichnung 'Regione Trentino-Alto Adige/Südtirol' ist in der Verfassung festgeschrieben.“

Es sei lediglich ein Komma im Omnibus-Gesetz verschoben worden. „Die Debatte entstand, weil in der deutschen Diktion 'Südtirol' stehen geblieben ist. Es wurde, nicht zu Unrecht, gesagt, dass man dort konsequenterweise ebenfalls 'Provinz Bozen' hätte schreiben müssen. Das ist nicht erfolgt. Ich habe im Anschluss gefordert, dass wir uns künftig auf eine einheitliche Vorgangsweise einigen sollten.“

Alessandro Urzí („L'Alto Adige nel cuore/Fratelli d'Italia“) kündigt an, er werde die römische Regierung dazu aufzufordern, das Landesgesetz anzufechten.

Die Angelegenheit wurde auch gesamtstaatlich zum Thema, nachdem der „Corriere della Sera“ darüber berichtet hatte.

Die ehemalige Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit Eva Klotz erklärte, dass es die Bezeichnung „Alto Adige“ verfassungsrechtlich nicht gebe. Im Autonomiestatut würden ausschließlich die Begriffe : „Provinz Bozen - Provinz Trient“ bzw. „Provincia di Bolzano - Provincia di Trento“ verwendet. Der Begriff „Alto Adige“ komme im Autonomiestatut, das Verfassungsrang hat, nur im Kontext mit der Region, also „Region Trentino- Südtirol“ bzw. „Regione Trentino- Alto Adige“, vor.

„Es zeigt sich, dass Italien nicht bereit ist, faschistisches Kulturverbrechen zu überdenken, geschweige denn, es zu tilgen. Den Südtirolern weiterhin die faschistischen Namen aufzuzwingen bedeutet nicht nur, ihre Geschichte zu leugnen, sondern auch weiterhin ihre Identität mit Füssen zu treten.“





hof/stol