Montag, 12. November 2018

Am Ende allein: Horst Seehofer gibt auf

Einsam war es zuletzt um Horst Seehofer geworden, sehr einsam. Niemand in der CSU fand sich in den vergangenen Wochen mehr, der den Parteichef öffentlich unterstützt hätte. Niemand stellte sich hinter Seehofer, als sich immer mehr Bezirks- und Kreisverbände, Abgeordnete und Landräte, ja sogar einst Wohlmeinende von dem 69-Jährigen abwandten.

Einsam war es zuletzt um Horst Seehofer geworden, sehr einsam.
Einsam war es zuletzt um Horst Seehofer geworden, sehr einsam. - Foto: © APA/AFP

Jetzt hat, nach dem Verzicht von Angela Merkel auf den CDU-Vorsitz, auch Seehofer die Reißleine gezogen, will den Posten als CSU-Chef frühzeitig räumen, Anfang 2019. Und auch sein Amt als Bundesinnenminister will Seehofer abgeben. So hat er es nach Teilnehmerangaben der engsten CSU-Spitze mitgeteilt. Nur der genaue Zeitplan für seinen Abgang ist noch offen.

Es ist eine Zäsur, nicht nur für die CSU, sondern für die gesamte deutsche Politik: Seehofer, eines der großen Polit-Alphatiere, einer der alten Haudegen, von denen es nur noch wenige gibt, steht damit kurz vor dem endgültigen politischen Aus. Und so tragisch dies seine internen Kritiker ob seiner Lebensleistung finden, steht Seehofer nun eigentlich vor den Scherben seiner Karriere: Mehrere krachende Wahlniederlagen in Folge und ein dramatischer Ansehensverlust der CSU in Bayern und im Bund gehen hauptsächlich auf sein Konto. Die Zeiten absoluter Mehrheiten für die CSU scheinen nun endgültig Geschichte. Und sein persönliches Ansehen ist Umfragen zufolge längst im Keller.

Doppeltes Scheitern für Seehofer 

Schmerzhaft für Seehofer: Er, der immer ankündigte, er wolle am Ende seiner Karriere einen geordneten Übergang gestalten, ist damit aus CSU-Sicht nun doppelt gescheitert: Nach der Bundestagswahl-Pleite im vergangenen Jahr musste er auf Druck seiner Partei und insbesondere der Landtagsfraktion die Staatskanzlei in München räumen und Platz für seinen ewigen Kontrahenten Markus Söder machen. Und jetzt, nach dem dramatischen Absturz bei der Landtagswahl, hat ihn seine Partei binnen Wochen faktisch auch noch aus dem Amt des Parteivorsitzenden gejagt. Und wiederum dürfte sein Nachfolger Markus Söder heißen.

Beratungsresistent sei er geworden, schimpften viele CSU-ler zuletzt, völlig abgehoben. Zwar war Seehofer schon immer ein politischer Eigenbrötler, ein politscher Sturkopf, der, wenn es kritisch wurde, immer nur sich selbst vertraute, Entscheidungen nur mit sich selbst ausmachte. Das aber sei zuletzt immer schlimmer geworden, heißt es. Die CSU und Seehofer hatten sich längst weit, weit auseinandergelebt.

Andererseits hat die Partei Seehofer viel zu verdanken, das räumen auch dessen Gegner ein. Auch die, die ihn jetzt aus dem Amt gedrängt haben, sprechen von einer großen Lebensleistung des 69-Jährigen. Sie loben Seehofers sozialen Kompass, der manchen Politikern heute fehle. „Soziales Gewissen“ der CSU wurde der Ingolstädter früher genannt.

45 Jahre für die CSU 

Tatsächlich hat Seehofer seiner Partei mehr als 45 Jahre lang gedient – und sie mit geprägt. Insgesamt 28 Jahre saß er für die CSU im Bundestag. Er brachte es zum Bundesminister, zum Parteichef und bayerischen Ministerpräsidenten. Dabei hat er Höhen und Tiefen erlebt wie kaum ein anderer, persönlich und politisch. 

Diesmal aber soll Seehofers Rücktritt tatsächlich endgültig sein: Anfang 2019 als Parteichef, und dann, wohl sehr bald, auch als Minister. Den Zeitplan will Seehofer in dieser Woche verkünden. Eines immerhin will die CSU ihrem Noch-Vorsitzenden ermöglichen, betont einer aus dem engsten Führungszirkel: einen „würdigen Abschied“.

dpa

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stol