Der selbsternannte „Friedenspräsident“ Donald Trump setzt die Tradition seiner Vorgänger fort und hat einen Krieg vom Zaun gebrochen, der erneut einen interessanten Zufall in Erinnerung ruft: Überall dort, wo die USA den Drang verspüren, Völker von Diktatoren zu befreien und Demokratie zu bringen, stoßen sie rein zufällig auf Öl. <BR /><BR />Die moralische Mission dient bei Großmächten meistens lediglich als Deckmantel für knallharte wirtschaftliche und nationale Interessen, so ist es in Venezuela, so ist es im Iran und so war es auch in Vergangenheit.<BR /><BR />Im Irakkrieg 2003 war es vor allem das schwarze Gold, das die Begehrlichkeiten weckte. Zwar beteuerte der damalige Präsident George W. Bush, man wolle Massenvernichtungswaffen zerstören und das irakische Volk von Saddam Hussein befreien, doch Öl stand mindestens genauso im Fokus. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74664469_quote" /><BR /><BR />Darauf wies selbst der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan in seinen Memoiren hin. War der Krieg vorbei, festigte sich weniger die Demokratie als vielmehr der Terror. Dafür aber erhielten westliche Ölkonzerne Zugang zu den Förderanlagen. Das riesige Ölfeld Rumaila ging an BP, andere lukrative Verträge an den US-Giganten ExxonMobil. Ähnliches Muster zeigt sich nun auch bei Donald Trump Intervention in Venezuela und dem Irankrieg. <BR /><BR />Doch es geht nicht immer nur um Energie, wie das Beispiel Afghanistan 2001 zeigt. Offiziell stand nach 9/11 die Zerschlagung von Al-Qaida im Vordergrund, ebenso wie die Bekämpfung der Taliban. Tatsächlich entwickelte sich der Krieg jedoch auch zu einer langfristigen strategischen Präsenz im Herzen Eurasiens – mit Militärbasen wie Bagram als sichtbarem Ausdruck geopolitischer Reichweite zwischen China, Russland und dem Iran.<BR /><BR />Noch entlarvender als die Liste der US-Interventionen ist die Liste jener Krisen, die Washington geflissentlich ignoriert. Wer die Verteidigung universeller Werte ernst meint, müsste konsequenterweise auch im Sudan oder in den vergessenen Brandherden Zentralafrikas Präsenz zeigen. Doch dort, wo kein Öl fließt, bleibt die moralische Kavallerie im Stall. Es zeigt sich: Das Engagement der USA folgt keinem ethischen Kompass, sondern einer geologischen Schatzkarte – und einem kühlen geopolitischen Kalkül.<BR /><BR /> <a href="mailto:josef.bertignoll@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">josef.bertignoll@athesia.it</a><BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/tag/Kommentar" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Alle Kommentare und Analysen auf STOL finden Sie hier. </a></b>