Donnerstag, 10. Dezember 2020

Amnesty fordert Untersuchung von Kriegsverbrechen in Berg-Karabach

Im Konflikt um die Kaukasus-Region Berg-Karabach hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gefordert, mutmaßliche Kriegsverbrechen von Aserbaidschan und Armenien zu untersuchen. Es gebe 22 Videos, die „außergerichtliche Tötungen, Misshandlungen von Kriegsgefangenen sowie die Schändung von Leichen feindlicher Soldaten zeigen“, teilte Amnesty am Donnerstag mit.

Die Menschenrechtsorganisation sieht in den Videos „eine klare Verletzung des humanitären Völkerrechts“.
Die Menschenrechtsorganisation sieht in den Videos „eine klare Verletzung des humanitären Völkerrechts“. - Foto: © shutterstock
Beide Konfliktparteien hatten sich mit Bezug auf die 6-wöchigen blutigen Kämpfe gegenseitig Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Nach Angaben von Amnesty belasten 12 Videos armenische Kämpfer und 10 aserbaidschanische. In einem Video sind 2 Männer in aserbaidschanischen Uniformen zu sehen, die einem älteren Mann, der um sein Leben fleht, die Kehle durchschneiden. Ein anderes Video zeigt, wie ein armenisch sprechender Mann einem anderen, gefesselten Mann in aserbaidschanischer Grenzschutz-Uniform ein Messer in die Kehle sticht.

„Die Verkommenheit und der Mangel an Menschlichkeit, die in diesen Videos festgehalten sind, zeigen die bewusste Absicht, den Opfern größtmöglichen Schaden zuzufügen und sie zu demütigen, eine klare Verletzung des humanitären Völkerrechts“, sagte Denis Kriwoscheew, Amnesty Internationals Forschungsdirektor für Osteuropa und Zentralasien. Armenien und Aserbaidschan müssten sofort unabhängige und unparteiische Untersuchungen einleiten und alle Verantwortlichen identifizieren.

Nach 6-wöchigen schweren Kämpfen zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan war unter russischer Vermittlung am 9. November ein Abkommen erzielt worden, das für Armenien bedeutende Gebietsverluste zur Folge hat. Während der Kämpfe wurden nach Angaben von Armenien und Aserbaidschan mehr als 5000 Menschen getötet.

apa/afp