Montag, 26. Juni 2017

Amtsärzte stellen Ultimatum – Sanitätsbetrieb poltert zurück

Südtirols Sanitäts-Saga ist seit Beginn der Woche um ein Kapitel reicher. Amtsärzte hatten dem Sanitätsbetrieb gedroht, ihren Dienst einzustellen. Dieser rief am Montag zur Mäßigung auf und wies das Ultimatum zurück. Der Grund für den Ärzte-Sabes-Zwist: Das neue Impfdekret.

Mehrere Amtsärzte haben am Montag dem Sanitätsbetrieb gedroht, ihren Dienst einzustellen. Dieser ruft zur Mäßigung auf.
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Mehrere Amtsärzte haben am Montag dem Sanitätsbetrieb gedroht, ihren Dienst einzustellen. Dieser ruft zur Mäßigung auf.

„Reden ist besser als drohen!“. Die Montags-Mitteilung des Südtiroler Sanitätsbetriebs setzt aufs Ausrufezeichen – inhaltlich wie sprachlich: Man weise das „Ultimatum“ der Amtsärzte zurück.

„Legen Tätigkeit nieder“

Am Freitag hatte sich in Latsch 14 Amtsärzte aus dem Raum Vinschgau und Burggrafenamt zum Krisentreffen verabredet. Und dort eine klare Forderung an den Sanitätsbetrieb gestellt. Durch die Zunahme der Belastung des Hausarztes in den vergangenen Jahren, dem neuen vorgesehenen Zusatzvertrag und dem neuen Impfdekret sähen sich die Ärzte nicht mehr in der Lage, den Amtsarztdienst wie bisher aufrecht zu halten.

Sollten sie bei der Umsetzung des neuen staatlichen Impfdekretes nicht entlastet werden, würden sie, so das „Ultimatum“, mit 1. August 2017 ihre Tätigkeit als Amtsärzte zurücklegen.

Schael kritisiert Vorhaben

Die Sabes-Redaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die Vorgangsweise der Amtsärzte im Vinschgau werfe ein schlechtes Licht auf die gesamte Berufskategorie, so die Replik des Managements. Das neue Impfdekret, hielt Generaldirektor Thomas Schael fest, stelle den gesamten Sanitätsbetrieb vor eine Riesenherausforderung. Es sei deshalb nicht verständlich, „dass sich eine Berufsgruppe einseitig und ohne vorherige Aussprachen aus der Verantwortung stehlen will“, ärgert sich Schael.

Und erinnert daran, dass derzeit nicht im Detail geregelt sei, wie die neue Impfregelung gesetzlich aussehen werde.

Lanthaler wirbt für gemeinsames Gespräch

Den kritischen Worten Schaels folgen sogleich versöhnlichere Töne durch Sanitätsdirektor Thomas Lanthaler. „Es dürfte im Interesse einer gegenseitigen guten Zusammenarbeit sein, wenn die verschiedenen Seiten sich zusammensetzen und gemeinsam ausloten, welche Möglichkeiten der Umsetzung es gibt“, wirbt Lanthaler.

Aber auch er ist über das Amtsärzte-Ultimatum alles andere als erfreut: „Wir sind alle gemeinsam für die Gesundheitsversorgung der Südtiroler Bevölkerung zuständig und verantwortlich. Es kann nicht sein, dass die Vinschger Amtsärzte sich hier einseitig ausklinken. Wo bleibt die Verantwortung der eigenen Aufgabe gegenüber?“, beschwert er sich.  

Und auch Dagmar Regele, Direktorin des Departments für Prävention und Organisatorin der Impfungen im Sanitätsbetrieb, schüttelt den Kopf: „Die Vorbereitungen im Sanitätsbetrieb laufen bereits auf Hochtouren. Wir haben schon zusätzlichen Personalbedarf in der Direktion angemeldet. Jetzt eine Polemik vom Zaun zu brechen, ist absolut unnötig. Die Zeiten sind schwierig, und jeder gegen jeden ist sicherlich der falsche Weg.“

Schael: „Alternativen andenken“

Das letzte Wort gehört dann wieder dem Generaldirektor, der prinzipiell das Andenken von Alternativen im Sanitätsbetrieb ankündigt, „wenn es darum geht, die Bevölkerung unseres Landes verlässlich und sicher zu versorgen“.

Die Schließung der Kinderarztpraxen im Pustertal im Frühjahr dieses Jahres, die Torpedierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Krankenhaus Bozen zur Entlastung der Notaufnahme und die „Weigerung“, die anstehende Zusatzarbeit im Rahmen des Impfdekretes zu übernehmen, seien dafür, sagt Schael, Anlass genug.

stol/aw

stol