Dienstag, 23. April 2019

Anschläge in Sri Lanka „Vergeltung für Christchurch“

Die Anschläge in Sri Lanka waren nach ersten Erkenntnissen der Regierung als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Wijewardene am Dienstag im Parlament. Die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat die Anschlagsserie mit mehr als 320 Toten indes für sich reklamiert.

Colombo weiter im Ausnahmezustand.
Colombo weiter im Ausnahmezustand. - Foto: © APA/AFP

Das teilte das IS-Propaganda-Sprachrohr Amaq mit, ohne Beweise zu nennen.„Diejenigen, die den Angriff ausgeübt haben, der vorgestern Mitglieder der US-geführten Koalition und Christen in Sri Lanka zum Ziel hatte, sind Kämpfer des Islamischen Staates“, hieß es in einer am Dienstag von Amaq veröffentlichten Mitteilung. Die Anschläge hatten sich gegen drei Hotels und drei Kirchen gerichtet.

Bei der Anschlagsserie auf drei Hotels und auf drei Kirchen waren am Ostersonntag mehr als 320 Menschen getötet worden.

Für die Anschlagsserie machte die Regierung zwei einheimische islamistische Organisationen verantwortlich. Wijewardene unterrichtete das Parlament am Dienstag, dass die radikalen Gruppierungen National Thawheed Jama'ut (NTJ) und Jammiyathul Millathu Ibrahim (JMI) hinter den Anschlägen stünden. Die Zahl der Toten stieg ihm zufolge inzwischen auf 311, andere Berichte nannten bereist 321 Todesopfer - darunter 37 Ausländer. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt.

7 Selbstmordattentäter agierten gleichzeitig

42 Menschen waren in Polizei-Gewahrsam. Darunter sei auch ein syrischer Staatsbürger. Sieben Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag in drei Kirchen und drei Luxushotels in die Luft gesprengt. Eine extremistische Islamistengruppe mit Verbindungen zur Gruppe National Thowheeth Jamaath habe nach einer ersten Einschätzung der Regierung die Anschläge verübt, sagte Wijewardene. Rachegelüste und Hass, nicht Religion, hätten die Täter motiviert.

Zwei muslimische Brüder aus Sri Lanka sind für zwei Selbstmordanschläge auf Hotels in Colombo verantwortlich. Die Söhne eines wohlhabenden Gewürzhändlers aus Colombo hätten sich als Gäste ausgegeben und in den Hotels Shangri-La und Cinnamon Grand in die Luft gesprengt, erfuhren Medien am Dienstag aus Polizeikreisen. Ein weiterer Anschlag auf ein viertes Hotel in Sri Lanka war am Sonntag laut Ermittlerkreisen geplant, scheiterte aber. Ob die Bombe dort absichtlich nicht gezündet wurde oder nicht funktionierte, war zunächst unklar.

Notstand

Staatspräsident Maithripala Sirisena hatte zuvor einen öffentlichen Notstand erklärt. Die zunächst nicht näher benannten Bestimmungen traten in der Nacht auf Dienstag in Kraft, der zu einem nationalen Trauertag erklärt wurde. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant. Im Ort Negombo, wo am Ostersonntag eine Kirche angegriffen worden war, gab es eine Massenbeerdigung.

Vieles blieb über die Täter und ihre Hintergründe unklar. Einer der Attentäter war nach Angaben eines Kabinettsministers vor wenigen Monaten wegen der Beschädigung von Buddha-Statuen festgenommen worden. Bei neun Festgenommenen handelte es sich um Mitarbeiter einer Fabrik, die einem der anderen Täter gehörte. Mehr als 20 Häuser seien inzwischen durchsucht worden, sagte die Polizei.
Sirisena berief ein dreiköpfiges Team ein, das die Anschlagsserie untersuchen und in zwei Wochen einen ersten Bericht vorlegen soll. Die internationale Polizeiorganisation Interpol kündigte an, Spezialisten mit Expertise in den Bereichen Tatortuntersuchung, Sprengstoff, Terrorismusbekämpfung und Opferidentifizierung zu entsenden.

45 Kinder unter den Mordopfern

Bei den Anschlägen in Sri Lanka sind nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF auch 45 Kinder ums Leben gekommen. Das jüngste der 13 in Batticaloa gestorbenen Kinder sei erst 18 Monate alt gewesen, teilte UNICEF-Sprecher Christophe Boulierac am Dienstag in Genf mit. In Negombo seien 27 Kinder getötet worden. Außerdem sei der Tod von fünf ausländischen Kindern bestätigt worden, hieß es.  Der dänische Milliardär Anders Holch Povlsen und seine Frau Anne verloren bei den Anschlägen in Sri Lanka 3 ihrer 4 Kinder.

Das österreichische Außenministerium etwa schreibt auf seiner Homepage , es bestünde ein „hohes Sicherheitsrisiko von weiteren Anschlägen“. Von nicht notwendigen Reisen wird abgeraten. Bei Anschlägen auf zwei Moscheen in Neuseeland waren am 15. März 50 Menschen getötet worden. Der dortige inhaftierte mutmaßliche Täter hatte offenbar rechtsextreme, fremdenfeindliche Gründe.

apa/afp

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stol