Mittwoch, 26. Dezember 2018

Anschlag auf Libyens Außenministerium

Bei einem mutmaßlich von der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat” (IS) verübten Anschlag auf das libysche Außenministerium sind 3 Menschen getötet worden. 21 weitere Menschen wurden bei der Attacke in Tripolis am Dienstag verletzt, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Der Anschlag machte erneut die schlechte Sicherheitslage in dem nordafrikanischen Krisenstaat deutlich.

IS attackierte libysches Außenministerium. - Foto: APA (AFP)
IS attackierte libysches Außenministerium. - Foto: APA (AFP)

Der Sprecher der libyschen Spezialkräfte, Tarak al-Dawass, sagte, zunächst sei in der Nähe des Außenministeriums eine Autobombe explodiert. Als Sicherheitskräfte herbeieilten, habe sich ein Selbstmordattentäter im 2. Stock des Gebäudes in die Luft gesprengt. Ein 2. Selbstmordattentäter sei gestorben, als ein Koffer in seiner Hand explodiert sei. Ein 3. Angreifer sei vor dem Gebäude von Sicherheitskräften getötet worden. Der Mann sei unbewaffnet gewesen und habe eine schusssichere Weste getragen.

Nach Angaben von Außenminister Tahar Siala handelte es sich bei einem der 3 Todesopfer des Anschlags um einen ranghohen Diplomaten. Ibrahim al-Shaibi sei Abteilungsleiter im Ministerium gewesen.

Der Sprecher der Spezialkräfte machte die IS-Miliz für den tödlichen Anschlag verantwortlich. Die Jihadistengruppe bekannte sich später selbst zu der Attacke: 3 „Soldaten des Kalifats” hätten das Außenministerium mit Sprengstoffgürteln und Automatikwaffen gestürmt, hieß es in einer in sozialen Netzwerken verbreiteten IS-Erklärung.

Innenminister Fathi Ali Bashagha räumte bei einer Pressekonferenz ein „Sicherheitschaos” in Libyen ein. Das Land sei „außer Kontrolle”, diese Lage biete einen „fruchtbaren Boden” für den IS. Zugleich machte er ausländischen Geheimdiensten schwere Vorwürfe: Einige von diesen stünden mit bewaffneten Gruppen in Libyen, nicht aber mit der Regierung in Kontakt. Außenminister Siala sagte, die Vereinten Nationen müssten das gegen Libyen verhängte Waffenembargo zumindest teilweise wieder aufheben. „Das ist notwendig, um Sicherheit zu garantieren und den Terrorismus zu bekämpfen.”

Der Leiter der UNO-Mission in Libyen (UNSMIL), Ghassan Salame, sprach von einem „feigen Terroranschlag” und versprach eine Zusammenarbeit mit den Libyern im Kampf gegen „Terrorgruppen”. Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini warnte, der Angriff bedrohe die ohnehin fragile Sicherheitslage in Tripolis weiter.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht Chaos in Libyen. Die international anerkannte Regierung ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Ihre Autorität wird von einer Gegenregierung infrage gestellt, die im Osten des Landes herrscht. Rivalisierende Milizen, Stämme und Jihadisten kämpfen um die Kontrolle von Gebieten und den großen Ölvorkommen.

Der IS konnte sich inmitten des Chaos' im Jahr 2015 in der Küstenstadt Sirte festsetzen. Erst nach monatelangen Kämpfen konnte die Jihadistenmiliz aus der Stadt vertrieben werden.

Der IS ist aber immer noch in Libyen aktiv und bekannte sich in diesem Jahr zu mehreren Anschlägen in dem Land. Im September beanspruchte er einen Selbstmordanschlag auf den Sitz der libyschen Ölgesellschaft im Zentrum von Tripolis für sich, bei dem 2 Menschen getötet wurden. Einen Anschlag auf die Wahlkommission im Mai mit 14 Toten reklamierte der IS ebenso für sich wie einen Angriff auf Milizionäre im Südosten des Landes im November.

apa/ag.

stol