Aus einer genauen Überprüfung der Listen der Kommunal- und Regionalwahlen im vergangenen März sei klar hervorgegangen, dass viele Parteien auch zwielichtige Kandidaten unterstützt haben.Sie hätten sich nicht an den „Selbstregelungskodex für Wahlen“ gehalten, die die Anti-Mafia-Kommission den Parteien vor den Wahlen vorgelegt hatte. „Die Wahllisten sind voll von Personen, die unwürdig sind, überhaupt jemanden zu repräsentieren“, sagte Pisanu gestern im Senat. Bei den Regionalwahlen im vergangenen März seien mehrere verdächtige Kandidaten aufgefallen, die auch gewählt worden seien. Pisanu bemängelte verbittert, dass die Parteien nicht für „saubere Wahllisten“ gesorgt hätten, wie sie in der Wahlkampagne versprochen haben. Er kritisierte, dass viele Präfekten in Italien seiner Kommission immer noch nicht die notwendigen Informationen zur vollständigen Umsetzung des Kodex eingereicht hätten. Diese Informationen seien wichtig, um zu klären, wie tief das organisierte Verbrechen in die politischen Institutionen auf Lokalebene eingedrungen sei.Laut der Anti-Mafia-Kommission beeinflusse die Cosa Nostra nach wie vor die Politik in Italien stark. Mit der Expansion ihrer wirtschaftlichen Macht fühle die Cosa Nostra immer stärker das Bedürfnis, ihre Geschäfte und ihre Leute zu schützen, indem sie in die kommunale, regionale und nationale Politik eindringe, erklärte Pisanu.Pisanus Sorgen teilt auch die PD-Parlamentarierin Laura Garavini. Das Innenministerium habe bisher zu wenig unternommen, um die Anti-Mafia-Kommission in ihrer Aufklärungsarbeit zu unterstützen. „Das Innenministerium ignoriert das Problem, dass die Mafia auf lokaler Ebene gut verankert ist und optimale Beziehungen zu Politikern der Regierungskoalition unterhält“, betonte Garavini.mit