Die westliche Staatengemeinschaft will, dass die Regierung von Präsident Ali Abdullah Salih entschiedener gegen terroristische Gruppen vorgeht. Das bitterarme Land war in den Fokus gerückt, nachdem ein Nigerianer an Weihnachten Sprengstoff an Bord einer US-Maschine nach Detroit geschmuggelt hatte und diesen zünden wollte. Der Mann soll im Jemen von El Kaida ausgebildet worden sein. Konkrete Beschlüsse werden in London jedoch nicht erwartet. Zu dem Treffen sollen unter anderem US-Außenministerin Hillary Clinton, der jemenitische Ministerpräsident Ali Mohammed Mudschawar und die EU-Außenbeauftrage Catherine Ashton anreisen. Die meisten Länder schicken jedoch Staatssekretäre. Die britische Regierung war in die Kritik geraten, weil das Treffen am Mittwochnachmittag nur zwei Stunden dauern soll. Das Jemen-Treffen findet unmittelbar vor der Afghanistan-Konferenz statt, zu der am Donnerstag rund 70 Delegationen nach London reisen. Eine Sprecherin des britischen Außenministeriums sagte, auf dem Jemen-Treffen werde besprochen, wie die jemenitische Regierung die Sicherheit verbessern, El Kaida an den Wurzeln bekämpft sowie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung gefördert werden kann. Die US-Regierung hatte wegen der wachsenden Terrorgefahr ihre Hilfe für den Jemen bereits aufgestockt. Kein Durchbruch erwartetEin Durchbruch wird in London jedoch nicht erwartet. Denn der Westen und die jemenitische Führung gehen mit unterschiedlichen Erwartungen in das Treffen. Der Westen hofft, dass Jemen den terroristischen Sumpf trockenlegt - militärisch, ideologisch und durch eine Entwicklungspolitik, die den Jemen insgesamt stabiler macht. Die jemenitische Regierung ist dagegen vor allem an Geheimdienstinformationen, Ausrüstung für die Armee und Hilfsprojekten interessiert. Bislang hatte die internationale Gemeinschaft das unterentwickelte Land vernachlässigt. Wegen der Mischung aus Jemens schwindenden Öl- und Wasser-Reserven und einer wachsenden Bevölkerung sei eine „substanzielle Entwicklungshilfe-Initiative nötig, um das totale Scheitern des Landes zu verhindern“, hatte Schwedens Außenminister Carl Bildt in Brüssel gesagt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz befürchtet eine humanitäre Krise im Nord-Jemen. Der zu lange unbeachtet gebliebene Konflikt würde durch Armut und Wassermangel verschlimmert. Im Nord- Jemen kämpfen schiitische Rebellen gegen Präsident Salih. Amnesty International warnte derweil vor einem weiteren Verfall der Menschenrechte. „Die Befürchtung ist, dass die Forderung nach einem harten Vorgehen gegen El-Kaida-Anhänger von der Regierung als grünes Licht interpretiert wird, jede Opposition ohne Respekt der Menschenrechte zu vernichten“, sagte Malcolm Smart, Experte von Amnesty für den Nahen Osten und Nordafrika in London. Die Menschen im Jemen fürchten zudem, dass der Kampf gegen El Kaida Vorrang für den Westen haben wird. Nadia al-Sakkaf von der „Yemen Times“ sagte der britischen Zeitung „The Guardian“: „Hilfe kann nicht bedingungslos gegeben werden. (...) Es geht darum, die Rechtsstaatlichkeit wieder einzuführen, es geht um die Dinge, die den Menschen im Jemen wichtig sind, nicht nur der Welt draußen.“dpa