„Rückblickend bin ich dankbar dafür, dass ich 2003 den Einzug in den Landtag nicht geschafft habe“, erzählt der langjährige frühere Ressortchef im Interview. <BR /><BR /><b>Sie haben ursprünglich Germanistik und Philosophie studiert und danach als Oberschullehrer gearbeitet. Erzählen Sie uns über diese Zeit!</b><BR />Armin Gatterer: Nach dem Studium habe ich gejobbt und alles Mögliche gemacht. Oberschullehrer war ein Teilzeit-Job. Daneben habe ich eine Kulturzeitschrift redigiert, rezensiert und kulturelle Artikel für mehrere Zeitungen geschrieben.<BR /><BR /><b>Was hat Sie dazu bewegt, in die Landesverwaltung zu wechseln?</b><BR />Gatterer: Es war nicht so, dass ich dorthin wollte. Ich bin vom damaligen Landesrat Bruno Hosp gefragt worden – ich habe es mir gut überlegt und dann entschieden, es zu versuchen. Ich war damals intensiv publizistisch tätig - man kannte mich deshalb von dort her.<BR /><BR /><b>Vielen ist nicht bekannt, dass Sie Erzählungen, Essays, Gedichte und Theaterstücke verfasst haben. Werden Sie jetzt ein Buch schreiben, wo Sie doch Zeit dafür hätten?</b><BR />Gatterer: Belletristische Ambitionen hatte ich <i>vor </i>meiner Zeit in der Landesverwaltung und eine Weile auch noch nebenher – jetzt nicht. Ich will nichts vorwegnehmen, was ich nun konkret machen werde, wenn zeitliche Ressourcen frei werden. Ich habe beruflich gelernt, dass man Ankündigungen erst dann machen soll, wenn etwas fix ist. Ich muss es offen lassen, was auf mich zukommt. Jedenfalls werde ich nicht untätig bleiben.<BR /><BR /><b>Sie haben 2003 auf der SVP-Liste für den Landtag kandidiert, wurden zwar nicht gewählt, haben aber immerhin 5100 Stimmen erhalten. Welche Lehre haben Sie rückblickend aus dieser Kandidatur gezogen?</b><BR />Gatterer: Die vielen Stimmen aus dem Stand waren damals ein überraschendes Ergebnis für mich. Es war aber blauäugig von mir, zu kandidieren. Innerhalb der SVP hatte ich kein Netzwerk. Rückblickend bin ich jedoch dankbar, weil sich mein weiterer Lebensweg dann positiv entwickelt hat. Ich habe viel Spannendes erlebt, was ich sonst nicht erlebt hätte. Beruflich war es damals die Stunde Null für mich: Die Ressortdirektorenschaft mit Bruno Hosp war ausgelaufen. Danach habe ich die Kultur-Abteilung übernommen. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Ich habe administratives Handwerk gelernt – das war für mich Neuland. Die Arbeit als Abteilungsleiter ist eine völlig andere als an der Ressortspitze. Zwölf Jahre bin ich dann Abteilungsdirektor geblieben.<BR /><BR /><b>War das damals beruflich Ihre beste Zeit?</b><BR />Gatterer: Nein. Die beste Zeit waren die vergangenen zehn Jahre als Ressortdirektor für Landesrat Philipp Achammer. Das waren nicht nur die schönsten, sondern auch die spannendsten Jahre, weil das Themenspektrum so breit geworden ist mit den Zuständigkeiten, die dazugekommen sind, wie etwa die Arbeit und die Wirtschaft. Es war die themenreichste und herausforderungsvollste Zeit. Das Ressort war ja noch nie so groß vorher. Und dann kam auch noch die Corona-Krise. <BR /><BR /><b>Zum Thema Museen: Der neue Standort des Ötzi-Museums steht fest – mit dem Ex-Enel-Gebäude. Hat man da wirklich die richtige Wahl getroffen?</b><BR />Gatterer: Es ist für mich voll nachvollziehbar, dass dieser Standort gewählt worden ist – und nicht andere. Politisch Verantwortliche außerhalb unseres Ressorts bedienen sich des Themas, aber die Weichen sind längst gestellt. Da wird es keine Änderung mehr geben. Der Konsens war einhellig.<BR /><BR /><b>Wird das Kulturgüterdepot in Neumarkt eines der größten Kultur-Highlights in Südtirol?</b><BR />Gatterer: Es gibt mehrere große Vorhaben im Bereich Kultur wie das Kulturgüterdepot, das Bibliothekenzentrum und das neue Ötzi-Museum. Alle drei Projekte sind von langer Hand vorbereitet und kommen jetzt in die Gänge. Der Vorlauf bis zum Bau dauerte naturgemäß lange. Das Bauen selbst geht dann relativ schnell. Die Kollegen vom Hochbauressort kümmern sich darum.<BR /><BR /><b>Was muss man als Ressortdirektor mitbringen, um erfolgreich zu sein?</b><BR />Gatterer: Es ist notwendig, flexibel zu sein und mit unvorhergesehenen Situationen gut umgehen zu können, ebenso eine gewisse Stressresilienz. Weiters sollte man verstehen, was die Bedürfnisse sind – der Politik, der Verwaltung und der Bürger - von Organisationen, Betrieben, Kulturschaffenden, Jugendlichen und Studierenden.