Donnerstag, 29. September 2016

„Asylanten als Kinderbetreuer? Nein, danke!“

Zwei Migranten haben im Sommer bei einem Kinderprojekt in St. Ulrich freiwillig mitgeholfen. Die Freiheitlichen sprechen von einem „Zwischenfall“. Ihr Obmann Walter Blaas stellt klar: Asylanten als Kinderbetreuer? Nein, danke!

Zwei Migranten haben im Sommer bei einem Kinderbetreuungsangebot in St. Ulrich freiwillig mitgearbeitet. Freiheitlichen-Obmann Walter Blaas spricht von einem "Zwischenfall".
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Zwei Migranten haben im Sommer bei einem Kinderbetreuungsangebot in St. Ulrich freiwillig mitgearbeitet. Freiheitlichen-Obmann Walter Blaas spricht von einem "Zwischenfall".

Mit dem neuen Jahr kamen die Flüchtlinge. Seit 8. Jänner leben 25 Migranten im Haus „Sole“ in St. Ulrich, direkt neben der Grundschule. Groß war die Aufregung im Dorf, als der Standort der Flüchtlingsunterkunft gegen Ende des Jahres bekannt geworden war. Eltern sammelten Unterschriften. Diskussionen standen an der Tagesordnung.

Heute, über 8 Monate später, sagt Roberto Pompermaier, Direktor vom Verein für Kinderspielplätze und Erholung (VKE): „Die Gemeinde St. Ulrich bemüht sich sehr, dass die Migranten ins Dorfgeschehen eingebunden werden.“ Dies sei mit ein Grund dafür, warum im Sommer eine Zusammenarbeit zustande kam, über die sich die Freiheitlichen noch im Herbst aufregen. Walter Blaas, Obmann der Blauen, schickte am Donnerstag eine Mitteilung an die Medien. „Asylanten als Kinderbetreuer? Nein, danke!“ steht da in fetten Lettern. Daran angehängt hat er eine Landtagsanfrage.

2 Migranten arbeiten freiwillig an VKE-Projekt mit

Der Grund für Blaas‘ Aufregung liegt Wochen zurück. Im Sommer organsierte der VKE das Kindersommerangebot „‘L Pavel“ in St. Ulrich. Es sollte von Anfang Juli bis Mitte August dauern, Kinder von 4 bis 11 Jahren ansprechen und sich um „Spiel, Sport und Spaß“ drehen. Mittlerweile wurde aus dem Spaß eine politische Angelegenheit.

Denn: Zwei Migranten, die in St. Ulrich untergebracht sind, hatten beim Projekt freiwillig unterstützend mitgearbeitet. 4 Wochen lang, sechs Wochenstunden pro Person. Zu viel für Walter Blaas.

Blaas: Qualifiziertes Personal für Kinder

„Die Kinderbetreuung soll in erster Linie vom qualifizierten Personal übernommen werden und von Auszubildenden in den entsprechenden Berufsbildern und nicht von Asylanten“, ärgert sich der Obmann. „Personen, die weder der Sprache mächtig sind, noch ein Verständnis für unsere Kultur haben, können erst recht keine Befähigung zur Kinderbetreuung aufweisen“, meint er und ließ „den Zwischenfall“ in St. Ulrich in einer Landtagsanfrage an Martha Stocker überprüfen.

VKE-Direktor Pompermaier betont, die Migranten seien in ein Team eingebunden gewesen. Dieses bestehe aus der Koordinatorin des Projektes, Mitarbeitern und eben Freiwilligen, zu denen auch die beiden Asylantragsteller zählten. Laut Martha Stocker sind Freiwillige den Fachkräften nie gleichgesetzt und könnten daher nur unterstützende Hilfstätigkeiten leisten.

Asylantragsteller und Arbeit

Grundsätzlich können Asylantragsteller recht schnell auf Basis eines Abkommens zwischen dem Land, dem Regierungskommissariat, den Gemeinden, den Bezirken und den Trägerkörperschaften freiwillige und unentgeltliche Tätigkeiten ausüben. Ende August machten rund 70 Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Eine Arbeit zu erhalten, ist für Asylantragsteller aufwändiger. Zudem scheitern sie oft an ihrer mangelnden Qualifikation, betonte Soziallandesrätin Martha Stocker vor rund einer Woche auf einer Pressekonferenz. Und trotzdem: „Es ist wichtig, dass die Menschen in der Zeit bis zum Abschluss des Asylverfahrens nicht unbeschäftigt bleiben, sondern einer möglichst sinnvollen Tätigkeit nachgehen können“, sagte Abteilungsleiter Luca Critelli.

Die Landesregierung sehe den Einsatz von Freiwilligen grundsätzlich gerne, schreibt also Martha Stocker in ihrer Antwort an Blaas. „So wird auch in Bezug auf Asylantragsteller versucht, deren Einsatz und Beschäftigung in verschiedensten Bereichen der Gesellschaft anzubahnen, zu ermöglichen und anzustoßen.“ Zudem: Kinder scheinen angesichts anderer Kulturen „sehr offen, interessiert und nicht problembehaftet“ zu sein.

Eltern wussten von nichts: Die Erklärung des VKE-Direktors

Blaas kann über diese Worte nur den Kopf schütteln. Er kritisiert den „Unterton“. Die „gesunde Skepsis gegenüber Fremden“ werde als "Problem" dargestellt. Die Eltern der Kinder seien entsetzt gewesen, als sie über das Engagement der Migranten erfuhren. Sie seien darüber nicht informiert worden, schimpft Blaas und fragt Stocker: „Wird den betroffenen Eltern der Unkostenbeitrag der Kinderbetreuung rückerstattet?“

VKE-Direktor Pompermaier hat für die Unwissenheit der Eltern eine kurze Erklärung: „Wir haben nicht daran gedacht, dass es notwendig sei, die Eltern zu informieren. Denn dass Freiwillige mitarbeiten können, ist für uns die natürlichste Sache der Welt.“ Martha Stocker ließ die Frage nach der Rückerstattung der Kosten übrigens unbeantwortet.

stol

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