„Wir sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Existenz und die Realität des Genozids, den die Pontos-Griechen erlitten haben, in der ganzen Welt bekannt und anerkannt werden“, erklärte der Präsident. Das gelte auch für die Türkei. Es müsse deutlich werden, dass „solche brutalen und abscheulichen Praktiken ethnischer Säuberung“ in der modernen Welt keinen Platz hätten.<BR /><BR />Mit dem Begriff Pontos-Griechen werden die griechischen Bevölkerungsgruppen bezeichnet, die über Jahrhunderte an der Südküste des Schwarzen Meeres, insbesondere in der historischen Region Pontos im heutigen Nordosten der Türkei, lebten. Sie verfügten über eigene kulturelle Traditionen und Dialekte des Griechischen und bildeten dort über lange Zeit bedeutende Gemeinschaften. Ein wichtiges Zentrum war die Stadt Trabzon, das historische Trapezunt.<BR /><BR />Die Verfolgung der christlichen Bevölkerungsgruppen im Osmanischen Reich verschärfte sich insbesondere während des Ersten Weltkriegs und in den Jahren danach. Pontos-griechische Gemeinden waren von Deportationen, Zwangsmärschen, Massakern, Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen betroffen. Historiker ordnen diese Ereignisse in den größeren Zusammenhang der Verfolgung christlicher Bevölkerungsgruppen im späten Osmanischen Reich ein, zu denen auch Armenier und Assyrer gehörten.<h3> Genaue Zahl der Opfer nicht bekannt</h3>Die Zahl der griechischen Opfer ist Gegenstand historischer Debatten. Historischen Quellen zufolge starben mehr als 350.000 Menschen durch Massaker, Todesmärsche und Zwangsumsiedlungen. In Griechenland wird der 19. Mai als Gedenktag für den Genozid an den Pontos-Griechen begangen. Das Parlament in Athen erkannte 1994 den Genozid an den Pontos-Griechen offiziell an. Die Türkei weist die Bezeichnung „Genozid“ zurück und bestreitet eine entsprechende staatliche Vernichtungsabsicht.<BR /><BR />Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten am Berg Vermio im griechischen Makedonien steht das Heiligtum Panagia Soumela, das als eines der wichtigsten religiösen und symbolischen Zentren der Pontos-Griechen gilt. Das Kloster knüpft an die historische Panagia-Soumela-Tradition aus dem Pontos-Gebiet an. Die heutige Wallfahrtsstätte in Griechenland wurde nach der Vertreibung der griechischen Bevölkerung aus Kleinasien zum bedeutenden Erinnerungs- und Begegnungsort der pontischen Gemeinschaft. An den Feierlichkeiten nahmen zahlreiche Gläubige aus Griechenland und dem Ausland teil.<h3> Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei</h3>Die Forderung des griechischen Staatspräsidenten nach einer Anerkennung durch die Türkei fügt sich in die langjährige Debatte über die historische Aufarbeitung der Verfolgung und Vertreibung der griechischen Bevölkerung Kleinasiens ein. Griechenland und mehrere weitere Staaten sehen die Ereignisse als Genozid.<BR /><BR />Zudem existieren zwischen Griechenland und der Türkei seit Jahrzehnten weitere Spannungen. Konflikte bestehen insbesondere über Seegrenzen, Luftraumkontrolle und Energiequellen im östlichen Mittelmeer. Jüngst sorgte die in der Türkei geplante Verabschiedung eines Gesetzes zur sogenannten „Blauen Heimat“ (Türkisch: Mavi Vatan) in Athen für Aufregung und Besorgnis. Es handelt sich um einen von Ankara geplanten Rechtsrahmen, der die maritime Expansions- und Sicherheitsdoktrin des Landes festschreiben soll. Die Strategie beansprucht große Teile des Schwarzen Meeres, der Ägäis und des östlichen Mittelmeers.<BR /><BR />Ein prägendes Ereignis war die Zypernkrise 1974, die die Beziehungen dauerhaft belastete. Seitdem kommt es immer wieder zu Spannungen und militärischen Drohgebärden, insbesondere in der Ägäis. In den vergangenen Jahren haben beide Länder ihre Verteidigungsausgaben erhöht und ihre Streitkräfte modernisiert, was die gegenseitige Wahrnehmung von Bedrohung verstärkt.