EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy warnte in einem am Sonntag veröffentlichten Interview, mit einem größeren Zeitfenster seien zusätzliche Kosten für die Mitgliedstaaten verbunden. „Man muss berücksichtigen, dass mehr Flexibilität bei der zeitlichen Umsetzung auch mehr finanzielle Anstrengungen der Mitgliedsländer bedeutet“, sagte Van Rompuy der „Welt am Sonntag“. Wenn Spanien mehr Flexibilität beim Abbau des Defizits bis 2014 gegeben werde, habe das keine direkten Auswirkungen auf die anderen Euro-Staaten. Bei Griechenland seien in einem solchen Fall dagegen weitere Kredite nötig. Dies schaffe „offensichtlich für einige Mitgliedsländer Probleme“.Die neue Koalitionsregierung in Athen strebt weitreichende Änderungen des mit den Geldgebern vereinbarten Sparprogramms an. Ziel ist eine zeitliche Streckung der Einsparungen. Laut Koalitionsvertrag ist zudem vorgesehen, das Arbeitslosengeld statt bisher ein Jahr künftig 24 Monate auszuzahlen. Stufenweise soll der Steuerfreibetrag erhöht werden, Löhne und Renten sollen nicht weiter gekürzt werden.Bei aller Verschlankung der staatlichen Strukturen soll es keine Entlassungen mehr geben. Die Zahl der Staatsbediensteten soll stufenweise reduziert werden, in dem nur eine von zehn Stellen wieder besetzt wird, die durch Pensionierungen frei werden. Der Sparpakt sieht bisher vor, dass in den nächsten zwei Jahren rund 150.000 Staatsbedienstete entlassen werden. Die Koalitionsregierung will auch ein neues, „gerechteres Steuersystem“ einführen. Details wurden jedoch nicht genannt. Zudem will die neue Regierung am Plan weitreichender Privatisierungen festhalten.Aus dem Text des Koalitionsvertrages, der am Samstag in Athen veröffentlicht wurde, geht auch hervor: Die drei Koalitionspartner – Konservative, Sozialisten und Demokratische Linke – wollen für den Verbleib Griechenlands im Euroland arbeiten.Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte eine „Aktualisierung“ der Vereinbarungen über die benötigten Spar- und Reformmaßnahmen angedeutet. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine Lockerung der Auflagen dagegen bisher ab.Die sogenannte Gläubiger-Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank soll am Montag nach Athen zurückkehren, um mit der neuen Regierung die nächsten Schritte bei der Umsetzung des Sparprogramms zu besprechen. Samaras, der am Samstag wegen einer Netzhautablösung am Auge operiert werden musste, wird an den Verhandlungen voraussichtlich nicht teilnehmen. Der Premierminister müsse eine Woche lang zu Hause bleiben, sagte sein behandelnder Arzt am Sonntag vor Journalisten: „Er darf weder fliegen noch mit dem Wagen reisen, er muss zu Hause bleiben.“Auch seine Teilnahme am EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel hat Samaras abgesagt, vertreten wird ihn der griechische Außenminister Dimitrios Avramopoulo. Für den designierten Finanzminister Vassilis Rapanos, der am Freitag kurz vor seiner Vereidigung einen Schwächeanfall erlitten hatte, wird sein Vorgänger Giorgos Zanias einspringen. Rapanos müsse weiterhin unter ärztlicher Beobachtung im Krankenhaus bleiben, teilten seine Ärzte am Samstag mit, er sei jedoch auf dem Weg der Besserung. apa/afp/dpa/reuters