Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel empfängt den Regierungschef Mario Monti. Der Wirtschaftsprofessor aus Norditalien wirbt im Einklang mit Hollande für nicht zu strenge Auflagen im Kampf gegen die Euro-Krise und für Wachstumsinitiativen.Er weiß, die Bundeskanzlerin muss überzeugt werden, und bemüht sich immer stärker, Rom zu einem unabdingbaren Gesprächspartner zu machen.Monti dürfte kaum mit allzu düsterer Miene in Berlin anreisen. Zwar steckt die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr in der Rezession. Außerdem drückt die immense Schuldenlast.Der parteilose Chef einer eingesetzten Technokratenregierung macht aber dennoch in vorsichtigem Optimismus, sah mehrfach bereits „Licht am Ende des Tunnels“.Positive Signale für ItalienDie Finanzmärkte sind in diesem August nicht wie befürchtet – und wie noch während dieses Urlaubsmonats im Vorjahr – über Italien hergefallen. Selbst Ratingagenturen senden inzwischen in Würdigung der Reformleistungen in Rom durchaus positive Signale aus.Wie sein spanischer Amtskollege Mariano Rajoy geht Monti davon aus, dass der Druck auf die Staatsanleihen seines Landes kaum noch etwas mit seiner Reformarbeit zu tun hat. Vielmehr spiegele sich darin das Misstrauen der Märkte in die Euro-Zukunft.Dieser Tage ist Monti nach einschneidenden Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen dabei, ein Paket zur Wachstumsförderung zu schnüren. Und sein Wirtschafts- und Finanzminister Vittorio Grilli sieht das in den Regierungspalast Chigi in Rom eingezogene Vertrauen als begründet an: Die Rezession gehe 2013 zu Ende. Zunächst folge ein Null-Wachstum.Schon mit dem ersten Amtstag im Palazzo Chigi im November 2011 sei Monti klar gewesen, dass die deutsche öffentliche Meinung als Richter für ihn so wichtig sei wie die italienische, meinte die Turiner „La Stampa“.In Berlin dürfte er ein Hauptziel verfolgen: So „soft“ wie möglich sollten die Bedingungen gehalten werden, die erfüllen muss, wer unter den neuen Rettungsschirm ESM will. Flexibilität sei nötig, und eine realistische Sicht auf dasjenige Land, das Hilfe benötige.Im Falle Italiens hieße das auch, Geleistetes anzuerkennen. Kein Euro-Befürworter hätte etwas davon, wenn im Stiefelstaat im Frühjahr bei den Parlamentswahlen Europa-Gegner ans Ruder kämen – aus Frust über eine zu abschnürende Politik. Populismus hat in Italien Aufwind.Monti will einiges klarstellenEtwas will Monti in Berlin bestimmt aus der Welt schaffen. Vor Wochen hatte er in Deutschland Negativ-Schlagzeilen gemacht, als er die EU-Regierungen zur stärkeren Handlungsfreiheit gegenüber ihren Parlamenten aufzufordern schien. Eine zu enge Bindung ans nationale Parlament könne der europäischen Integration schaden.Die Äußerungen „präzisierte“ er angesichts der heftigen Kritik dann. Jetzt wolle er bei seinem Besuch endgültig „Frieden“ mit Bundestagspräsident Norbert Lammert machen, sieht der „Corriere della Sera“ voraus. Lammert hatte sich vor drei Wochen vehement gegen Mario Montis Sichtweise verwahrt.Doch das ist ein Nebenkriegsschauplatz. Auf dem eigentlichen Terrain geht es für den Professor und Europa sofort weiter: Monti empfängt am Tiber Hollande und den Spanier Rajoy.Alle haben neben Griechenland die Europäische Zentralbank (EZB) im Hinterkopf, die am 6. September über Ankäufe von Staatsanleihen beraten dürfte – sechs Tage vor der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum ESM und Fiskalpakt.Abgesehen davon geht es für Monti auch darum, einen womöglich heißen sozialen Herbst wegen der Sparpolitik durchzustehen. Er muss im Chaos einer Parteienlandschaft überwintern, in der alle sich neu aufzustellen versuchen und schon lärmend Wahlkampf führen. apa/dpa