Sonntag, 03. Mai 2020

Aufbruch in „Phase 2“: Am Montag endet die Quarantäne in Italien

Nach knapp 2 Monaten kompletten Stillstands wegen des Coronavirus kommt es in Italien am Montag zum Aufbruch in „Phase 2“. Damit soll ein wichtiger Schritt zurück in die Normalität gemacht werden. Zwar hat die Regierung die Vorsichtsmaßnahmen geringer gelockert als sich die Italiener nach siebenwöchiger Quarantäne erhofft hatten, im Land kommt es jedoch zu ein wenig mehr Bewegungsfreiheit.

Ab Montag beginnt in Italien Phase 2 nach der Quarantäne.
Ab Montag beginnt in Italien Phase 2 nach der Quarantäne. - Foto: © ANSA / Tino Romano
Nachdem die Epidemiekurve seit Wochen rückgängig ist, dürfen Italiener ab Montag wieder in den Parks spazieren gehen. Erlaubt ist weiterhin nur Einzelsport, etwa Joggen oder Radfahren.

Sämtliche neue Regelungen des Dekrets vom 26. April können auf der Homepage der Regierung in Rom nachgelesen werden.

Für Südtirol hatte Landeshauptmann Arno Kompatscher bereits am Samstag mit Dringlichkeitsmaßnahme Nr. 24 die Übergangsregeln festgelegt, die bis zum Inkrafttreten des Landesgesetzes zum Neustart in Südtirol gelten.

Die große Frage: Darf ich meinen Partner besuchen?

Besuche bei Verwandten – bis zum sechsten Verwandtschaftsgrad – in derselben Region sind wieder gestattet, große Familientreffen und private Feiern hingegen verboten.

Des Weiteren ist es erlaubt, die Verwandten des Partners bis zum vierten Verwandtschaftsgrad zu besuchen. In der Öffentlichkeit gelten weiterhin die Distanzregeln.

Unter den Begriff „congiunti“ fallen – so präzisiert die Regierung auf der Homepage – neben Ehepartnern und Lebenspartnern nun auch Paare, die sich in einer stabilen Liebesbeziehung befinden.

Platonische Freundschaften fallen nicht in diese Kategorie, der Besuch bei Freunden bleibt also weiterhin verboten.

Besuchen, aber nicht berühren

Obwohl es nun erlaubt ist, die engere Familie oder auch den Freund oder die Freundin innerhalb derselben Region zu besuchen, empfiehlt die Regierung dennoch mit Nachdruck, den neuerlichen Kontakt mit Personen außerhalb des eigenen Haushaltes auf ein Minimum zu begrenzen, da ansonsten das Risiko einer Ansteckung erneut steige.

Ebenso gelte in jedem Fall weiterhin der Mindestabstand von einem Meter zwischen Personen.

Die Süd-Tiroler Freiheit übte Kritik an dieser Regelung: „Mit dem neuen Corona-Dekret dürfen sich Familienangehörige und Paare zwar wieder treffen, sie müssen aber einen Abstand von mindestens einem Meter zueinander halten und zudem einen Atemschutz tragen. Übersetzt bedeutet dieser Wahnsinn, dass man den Partner zwar treffen, ihn aber nicht berühren darf. Diese Regelung ist völlig realitätsfremd und eine Zumutung, die von der Bevölkerung so sicher nicht akzeptiert werden wird.“

4,5 Millionen Italiener kehren an ihren Arbeitsplatz zurück

„Strategisch wichtige“ Unternehmen, vor allem in der Industrie und Bauwirtschaft, können schon ab Montag wieder die Arbeit aufnehmen.

Restaurants dürfen Außer-Haus-Service anbieten. In Rom werden wieder TV-Serien und Filme gedreht. Geschätzt wird, dass 4,5 Millionen Italiener am Montag ihre Arbeit aufnehmen.

Für weitere Öffnungen wie den Neustart von Museen, Ausstellungen und Bibliotheken muss Italien auf den 18. Mai warten. Friseure, Schönheitssalon, Gastronomie und der Kleinhandel müssen sich – anders als in Südtirol – bis zum 1. Juni gedulden.

Öffentlicher Verkehr muss neu geregelt werden

Die Rückkehr vieler Menschen in die Betriebe macht grundlegende Veränderungen im öffentlichen Verkehr nötig.

Auch in Südtirol wurden bereits neue Maßnahmen für den öffentlichen Verkehr getroffen.

Ein- und Ausgänge auf Bahnhöfen und Flughäfen müssen anders gesteuert werden – etwa durch „Einbahnstraßen“.

Büros sollten ihre Öffnungszeiten erweitern, um Stoßzeiten zu vermeiden.

Der verstärkte Einsatz von Fieber-Scannern auf Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen ist im Gespräch. Beim Fliegen soll es Maskenpflicht geben.

„Werden weiterhin auf eine harte Probe gestellt“

Italiens Premier Giuseppe Conte mahnte, dass der Kampf gegen das Virus noch lange nicht geschafft sei. „Wir werden auch in den nächsten Monaten auf eine harte Probe gestellt“, sagte der parteilose Premier.

Er warnte davor, Erfolge im Kampf gegen die Lungenkrankheit, die viele Todesopfer gefordert hat, zunichtezumachen. Am Montag startet Italien Antikörper-Tests mit 150.000 Personen.

Die Regierung setzt sich gegen Preistreiberei bei Atemschutzmasken ein. Einfache chirurgische Masken sollten künftig nicht mehr als 50 Cent kosten.

Ein wunder Punkt sind die seit dem 5. März geschlossenen Schulen, Kindergärten und Universitäten. Die Regierung hat ihre Sperre bis September verlängert.

Sommercamps für Schüler und Kinderkrippen

Viele Familien müssen aus Sorge vor Ansteckung auf die wichtige Unterstützung von Großeltern verzichten und fühlen sich im Stich gelassen.

Unter dem Druck von Familien, Kinderärzten und Lehrern hat die Regierung in Rom jetzt erstmals Bereitschaft signalisiert, im Sommer Kinderkrippen, Kindergärten sowie Sommercamps für Schüler zu öffnen. Dabei sollen besondere Maßnahmen zum Schutz der Kinder vor Ansteckung ergriffen werden.

Die Bischofskonferenz CEI verschärft indes den Druck auf die Regierung für eine Wiederaufnahme der Messen mit Gläubigen. Diese sollten je nach Entwicklung der Epidemiekurve ab 24. Mai oder 31. Mai wieder erlaubt werden.

Italien registrierte seit Februar fast 29.000 Coronavirus-Tote. Insgesamt zählte der Zivilschutz 200.000 Menschen, die sich offiziell mit dem SARS-CoV-2-Erreger infiziert hatten. Nach Wochen des steilen Anstiegs der Zahlen gab es jetzt über eine längere Phase hinweg viele positive Signale.

Alle Artikel sowie die Übersichtskarten der Lage in Südtirol, in Italien und weltweit mit allen aktuellen Zahlen in Sachen Coronavirus finden Sie hier.


apa/stol

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