Mittwoch, 28. November 2018

Aufrufe zu Friedensgesprächen bei UNO-Afghanistan-Konferenz

Mit eindringlichen Aufrufen zu direkten Friedensverhandlungen zwischen der Regierung in Kabul und den Taliban hat am Mittwoch in Genf eine UN-Konferenz zur Lage in Afghanistan begonnen. Zuvor wurden am Dienstag in Afghanistan bei einem Luftangriff gegen die Taliban rund 30 Zivilisten getötet. In Kabul selbst wurden bei der Detonation einer Autobombe am Mittwoch sieben Menschen verletzt .

Afghanischer Präsident Ghani will direkte Gespräche mit den Taliban führen. - Foto: APA(AFP)
Afghanischer Präsident Ghani will direkte Gespräche mit den Taliban führen. - Foto: APA(AFP)

Es sei dringlicher als je zuvor eine politische Lösung des Konflikts zu finden, mahnte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Botschaft an die Teilnehmer. „Wir haben vielleicht die seltene Chance zu direkten Friedensgesprächen; diese dürfen wir nicht verpassen”.

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani verkündete, seine Regierung habe bereits einen Fahrplan für direkte Gespräche mit den Taliban ausgearbeitet sowie ein zwölfköpfiges Verhandlungsteam aus Männern und Frauen benannt. Leiter ist demnach Ghanis Stabschef und enger Vertrauter Abdul Salam Rahimi. Seine Regierung strebe ein Friedensabkommen an mit den Taliban als Teil einer demokratischen Gesellschaft, die niemanden ausschließe, sagte Ghani. Zuvor wurden bei einem Luftangriff in der Provinz Helmland 30 Zivilisten getötet.

Es ist Zeit für konkrete Gespräche

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mahnte, Afghanistan befinde sich an einem „kritischen Moment in seiner Geschichte”. Es sei höchste Zeit für den Beginn „konkreter Gespräche”. Der Schweizer Außenminister Ignazio Cassis sagte, sein Land stehe als Gastgeber für Gespräche bereit.

Seit Monaten überziehen die radikalislamischen Taliban und der Islamische Staat (IS) Afghanistan mit einer Welle der Gewalt. Gleichzeitig verstärkt Washington mit der Unterstützung anderer Länder wie etwa Pakistan und Saudi-Arabien seine Bemühungen, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen. Parallel dazu hat Russland eine eigene Friedensinitiative gestartet.

Taliban lehnen Gespräche mit Kabul ab

Vertreter der islamistischen Miliz sprechen seit Juli mit den USA über ein Ende der Gewalt am Hindukusch. Mitte November erklärte der US-Sonderbeauftragte Zalmay Khalilzad, er hoffe auf eine Friedens-Einigung binnen fünf Monaten.

Bisher allerdings lehnen die Taliban direkte Gespräche mit der Regierung in Kabul strikt ab. Sie seien lediglich zu Verhandlungen mit den USA über einen Abzug aller ausländischen Streitkräfte bereit, bekräftigte ihr Sprecher Mohammed Abbas Staniksai nach der Moskauer Konferenz Anfang November.

Luftangriffe auf Zivilisten häufen sich

Bei einem Luftangriff in der südafghanischen Provinz Helmand wurden nach afghanischen Angaben rund 30 Zivilisten getötet. Alle Opfer stammten aus einer Familie, nur eine Person habe verletzt überlebt, sagte der Chef des Provinzrates von Helmand, Attaullah Afghan, am Mittwoch. Unter den Opfern seien viele Frauen und Kinder.

Laut einem Bericht der UNO-Mission in Afghanistan (UNAMA) ist die Zahl der zivilen Opfer durch Luftangriffe bis Ende September um 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Demnach kamen in diesem Jahr bereits 313 Zivilisten bei Luftangriffen ums Leben, 336 weitere wurden verletzt. Der Großteil des Anstiegs sei auf vermehrte Luftangriffe der internationalen Kräfte zurückzuführen.

apa/dpa

stol