Donnerstagabend in Klausen: Eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung ist der Dürersaal bis auf den letzten Platz gefüllt, die Tribüne dicht besetzt. Ganz Klausen scheint auf den Beinen zu sein. Die Gemeinde Klausen hat zu einem Informationsabend geladen. Im Mittelpunkt stehen der Säbener Berg, das Kloster Säben und deren Zukunft. <BR /><BR />Die weit über Klausen hinausreichende Bedeutung Säbens als heiliger Berg Tirols unterstrichen auch die Referenten bzw. Ehrengäste mit ihrer Anwesenheit: Der Einladung gefolgt waren Bischof Ivo Muser, Landeshauptmann Arno Kompatscher, Klausens Bürgermeister Peter Gasser, Landeskonservatorin Karin Dalla Torre, Landesgeologe Volkmar Mair, Armin Torggler, Archäologe und Vizedirektor des Landesmuseums Bergbau, sowie Helmuth Hasler, Inhaber des Planungsbüros iPlan.<BR /><BR />Eröffnet wurde der Abend von Bürgermeister Gasser: „Säben ist für uns ein Stück Heimat.“ An diesem Abend werde weder ein fertiges Projekt vorgestellt noch etwas „durchgedrückt“, sondern eine Vision präsentiert, die eine „sanfte Erschließung“ des Säbener Berges ermöglichen könnten. Man könne es sich nicht leisten, „nichts zu tun“.<BR /><BR />Im Anschluss ergriff Landeshauptmann Kompatscher das Wort: „Ich werde heute vor allem zuhören.“ Klar sei auch, dass an diesem Abend „keine Entscheidung“ fallen werde. Im Mittelpunkt stehe die Information. Das Land sei nicht „Promotor eines Projekts“, man sei aber „bereit, Gutes und Sinnvolles zu unterstützen“. Gleichzeitig gelte es, einem Verfall des Klosterbergs vorzubeugen. Voraussetzung dafür sei eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung.<h3> Bischof Muser: „Ich gebe Ihnen ein Versprechen“</h3>Bischof Ivo Muser brachte die Bedeutung Säbens auf den Punkt: „Säben ist die Wiege unserer Diözese, hier hat es begonnen.“ Der Weggang der Benediktinerinnen 2021 sei „schmerzhaft“ gewesen. Für die Diözese sei damit ein Auftrag verbunden: „Wir tragen Verantwortung für diesen Symbolort.“<BR /><BR />Den Klausnern und den vielen Interessierten gab Bischof Muser an diesem Abend ein Versprechen: „Säben wird als geistlicher Ort erhalten bleiben. Wir werden mit Säben nie Geld machen. Diese Angst möchte ich Ihnen nehmen.“ Die Diözese habe sich deshalb auf die Suche nach einer geistlichen Gemeinschaft gemacht. Seit 2024 ist Pater Kosmas auf Kloster Säben tätig. Vom Stift Heiligenkreuz gebe es aktuell weder eine Ab- noch eine Zusage. Bischof Muser betonte, dass er gegen ein „Nichtstun“ sei. Er wünsche sich für Säben „eine gute Zukunft“, denn der Mensch brauche geistliche Orte. <BR /><BR />Neben seiner religiösen Bedeutung belegen archäologische Funde auf Säben auch dessen Bedeutung als frühmittelalterliches „Silicon Valley“. Laut Torggler zählen die Entdeckungen zu den bedeutendsten Nachweisen frühmittelalterlicher Eisenproduktion im Alpenraum. Bei Grabungen wurden die Reste einer Schmelzhütte mit mehreren Öfen freigelegt, die zunächst als spätrömische Kaserne interpretiert worden waren. Neuere Analysen zeigten, dass es sich um eine frühe Eisenhütte handelte. Bemerkenswert sei die zeitliche Einordnung: Die Anlage stammt aus der Zeit zwischen dem 4./5. Jahrhundert und dem frühen 8. Jahrhundert n. Chr. Archäologisch dokumentiert wurden Lehmmantelöfen, die auf eine umfangreiche Eisenproduktion hinweisen. Torggler sprach von einer „wissenschaftlichen Sensation von überregionaler Bedeutung“. Die Forschungen deuten zudem darauf hin, dass die Bischöfe von Säben unmittelbar mit der Eisengewinnung verbunden gewesen sein könnten.<h3> Anspruchsvoll aber technisch machbar</h3>Landeskonservatorin Karin Dalla Torre sprach im Zusammenhang mit Säben von „etwas Bedeutendem“. Das Kloster throne „wie eine Krone“ auf dem Berg und ziehe die Blicke auf sich. Es handle sich um ein „unvergleichliches Denkmalensemble“ Sie betonte, Säben gelte es „sorgsam zu hüten“. Dies sei eine „verantwortungsvolle Aufgabe für alle“. Die im Konzept vorgesehene museale Struktur im Bethlehemhaus auf Höhe der Liebfrauenkirche müsse klug und glaubwürdig umgesetzt werden.<BR /><BR />Landesgeologe Volkmar Mair informierte über die Geologe des Berges. Dessen Ursprünge reichen Millionen Jahre zurück. Mitarbeiter des Landesamtes für Geologie und Baustoffprüfungen hätten eine genaue geologische Kartierung des Säbener Berges vorgenommen. Im Wesentlichen seien drei Gesteinsschichten festgestellt worden: Diorit, Quarzphyllit und Quarzit. Zudem stießen die Geologen auf mehrere Störungszonen: „Diese Störungszonen sind der Grund dafür, dass die Gesteine stark zerlegt sind. Entlang des Berges verlaufen steile Gräben, die sich auch durch den Berg ziehen“, erklärte Mair. Sollte der Aufzug gebaut werden, müssten diese Zonen umgangen oder rechtwinklig durchsprengt werden. Voraussetzung dafür sei eine genaue Analyse. „Einfach wird es nicht, aber technisch möglich“, sagte Mair. In einem nächsten Schritt sollen Erkundungsbohrungen folgen.<h3> Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie</h3>Helmuth Hasler vom Ingenieur- und Planungsbüro iPlan stellte die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor: iPlan hatte im Auftrag der Gemeinde mit dem Landesamt für Geologie diese erstellt. „Die Frage ist, wie der Säbener Berg erschlossen werden kann, ohne seinen Charakter zu beeinträchtigen“, erklärte Hasler. Ziel sei es gewesen, eine technisch, wirtschaftlich und sicherheitstechnisch umsetzbare sowie mit dem Landschaftsschutz vereinbare Lösung auszuarbeiten.<BR /><BR />Als beste Variante erwies sich laut Hasler ein Vertikalaufzug mit einem unterirdischen Zugangsstollen. Der Aufzugschacht mit einem Durchmesser von sechs Metern verläuft senkrecht im Berg 150 Meter nach oben. Vorgesehen sind zwei Aufzüge für je zehn bis 15 Personen. Die Lösung sei technisch anspruchsvoll. Der Zugang zum 275 Meter langen und vier Meter breiten Stollen soll über den Marktplatz zwischen Apostelkirche und Wegmacherhaus erfolgen. Dieser werde sichtbar, aber nicht dominant gestaltet. Das unterirdische Ausgangsportal liegt hinter den Klostermauern, der Ausgang selbst im Bereich des Herrenturms. Der Zugangsstollen solle Teil des Besuchererlebnisses werden und eine museale Einführung in die Bedeutung Säbens bieten. Das Klosterensemble werde dadurch nicht beeinträchtigt, betonte Hasler.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1310352_image" /></div> <BR /><BR />Vom Tinnetal aus soll ein zweiter Tunnel angelegt werden, über den die Baustelle erschlossen wird. Zum Konzept gehören zudem die Neugestaltung des Marktplatzes, die Entschärfung vo Gefahrenzonen durch eine Unterführung der Staatsstraße SS12 sowie die museale Nutzung des Bethlehemhauses und des Herrenturms samt Klostercafé. Laut Machbarkeitsstudie belaufen sich die Baukosten auf 18,3 Millionen Euro, die Gesamtkosten auf 27,5 Millionen Euro.<BR /><BR />Im Anschluss daran folgten Wortmeldungen, Fragen und Anregungen aus dem Publikum. <h3> Landeshauptmann: „Es wird ein Weiterarbeiten geben“</h3>Landeshauptmann Kompatscher nannte am Ende des Abend die Veranstaltung ein gelungenes Beispiel gelebter Partizipation. Er habe „Stimmen für das Konzept, Hoffnung, aber auch Sorgen und Skepsis“ wahrgenommen. Ich denke, es macht Sinn, dieses Ergebnis zu vertiefen. Grundsätzlich habe er den Wunsch nach einer Aufwertung gespürt, der Aufzug selbst stößt auf geteilte Meinungen. „Ich erlaube mir keine abschließende Entscheidung, ich stehe aber dazu, dass es wert, hier Geld in die Hand zu nehmen. Es wird ein Weiterarbeiten geben.“ <BR /><BR /> <a href="https://www.youtube.com/live/3OJ0Ui3f8eM" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier das Video zum Info-Abend.</a>