Ein Kommentar von Andreas Schwarz.<BR /><BR />An Wahlen, die politische Erdbeben ausgelöst haben, hat es Österreich in jüngster Zeit ja nicht gemangelt – die Parlamentswahl Ende September vergangenen Jahres mit dem FPÖ-Erdrutschsieg; die Steiermark-Wahl mit dem noch deutlicheren blauen Triumph und dem Ergebnis eines FPÖ-Landeshauptmannes; und am FPÖ-Bundeskanzler wird ja gerade gebastelt, sozusagen: Die Koalitionsverhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP sind nach dem Scheitern einer Anti-Herbert Kickl-Phalanx aus ÖVP, SPÖ und NEOS (einstweilen) auf Schiene.<BR /><BR />Und an diesem Sonntag wird schon wieder gewählt: im Burgenland, Österreichs östlichstem und bevölkerungsmäßig mit gut 300.000 Einwohnern kleinstem Bundesland.<BR /><BR />Normalerweise würde das kaum jemanden kratzen. Der Landstrich an der Grenze zu Ungarn ist so ein bisserl das Armenhaus Österreichs; die Burgenländer müssen für Burgenländer-Witze herhalten, die so (mäßig) originell wie die Ostfriesen-Witze sind; der Österreicher weiß über das Burgenland allenfalls, dass das Land erst kurz nach dem Ersten Weltkrieg aus ungarischer Verwaltung an Österreich abgetreten wurde und dass es dort gute Weine gibt; und dass das politische Gewicht des über viele Jahrzehnte tiefroten Landes um den Neusiedler See überschaubar ist. <h3>Bollwerk SPÖ oder Durchmarsch FPÖ?</h3>Aber aus 2 Gründen kratzt die Wahl doch, und zwar sehr: Im Burgenland regiert seit 7 Jahren Hans Peter Doskozil, ehemaliger Verteidigungsminister einer SPÖ-ÖVP-Koalition im Bund, der vor 5 Jahren eine absolute Mehrheit holte. Der wortgewaltige, aber nach mehreren Kehlkopfoperationen stimmschwache Machtpolitiker könnte ein Bollwerk gegen den weiteren FPÖ-Siegeslauf in Österreich sein, wenn er die absolute Mehrheit behält; oder er verliert sie, dann könnt es, auch wenn die SPÖ stimmenstärkste Partei bleibt, zu einer ÖVP-FPÖ-Koalition kommen – es wäre die sechste in neun österreichischen Bundesländern.<BR /><BR />Umfragen im vergangenen Dezember hielten beides für möglich, mit prognostizierten 47 Prozent war die SPÖ innerhalb der Schwankungsbreite zur Absoluten. Die FPÖ käme mit 25 Prozent jedenfalls auf Platz 2, die ÖVP stürzte mit 21 auf Rang drei ab. Die Grünen, bei allen Wahlen zur Zeit im Jammertal, flögen aus dem Landtag.<BR /><BR />Wenn sich eine blau-türkise Mehrheit ausgehen sollte, wäre das ein weiteres Signal für die Regierungsverhandlungen auf Bundesebene. Die führen im Erfolgsfall ja absolut zu keiner Liebesheirat – zu tief sind die Verletzungen der FPÖ nach dem Bruch der ÖVP-FPÖ-Koalition post Ibiza-Skandal 2017. Aber zwei Drittel Österreichs blau (mit-)regiert, was sollte da noch gegen einen FPÖ-Kanzler sprechen? (Abgesehen davon, wie weit nach rechts ein bisheriger Mitte-Player in Europa rücken würde).<BR /><BR />Sollte Doskozil indes mit seinem politischen Kurs, einer Art wirtschaftlichem Staatsdirigismus gepaart mit einem populistischen Touch, die absolute Mehrheit verteidigen, ist seine Rolle innerhalb der SPÖ noch einmal gestärkt – und das Ende des glücklosen SPÖ-Chefs Andreas Babler hätte wohl geschlagen.<BR /><BR />Doskozil hatte vor bald 2 Jahren die damalige Parteichefin Pamela Rendi-Wagner an- und dann politisch abgeschossen und wollte selbst SPÖ-Chef werden. Er war es auch für ein paar Stunden, ehe ein Auszählungsfehler auf dem SPÖ-Parteitag seinen Konkurrenten, den Alt-Marxisten Andreas Babler, auf den Schild hob. Der seither mit Fehler um Fehler und linkslinken Träumereien die einstige Kanzlerpartei in den Abgrund fuhr und auch die Koalitionsverhandlungen mit ÖVP und NEOS vergurkte. Nicht auszuschließen, dass Doskozil nach einem Erfolg im Burgenland erneut den Führungsanspruch stellt.<BR /><BR />Nein, das alles ist kein Burgenländer-Witz. Aber Grund genug, um auf die Wahlen am Sonntag mit Neugier zu blicken.