Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble forderte Hollande ebenso wie Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker auf, den EU-Fiskalpakt umzusetzen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstrich die Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit für EU und Euro-Zone.Die eingegangenen Verpflichtungen für mehr Haushaltsdisziplin würden „unabhängig vom Ausgang der jeweiligen Wahlen in Mitgliedsstaaten“ gelten, sagte Schäuble am Montagabend in den ARD-Tagesthemen. Europa sei gut damit gefahren, dass es nicht nach jeder Wahl in den mittlerweile 27 Mitgliedsstaaten geschlossene Verträge neu verhandle. Schäuble betonte, ohne eine Reduzierung der Defizite gebe es auch kein nachhaltiges Wachstum. „Das sind nicht Gegensätze, sondern das sind zwei Seiten derselben Medaille.“Ähnlich äußerte sich auch der luxemburgische Ministerpräsident Juncker, der am Montag mit Hollande telefonierte. „Ich habe ihm deutlich gemacht, dass einiges geht und einiges eben nicht geht. Was nicht geht, ist die Totalaufschlüsselung des verabredeten Fiskalpaktes“, sagte Juncker im ZDF-heute-journal. Es sei aber richtig, dass Europa Wachstumsimpulse brauche. „Wir müssen auch perspektivische Hoffnung geben“.Unterstützung bekamen Schäuble und Juncker aus Japan: Finanzminister Jun Azumi forderte Hollande ebenfalls auf, sich an die Sparpläne zu halten. „Wir wollen, dass die Beschlüsse umgesetzt werden“, sagte Azumi laut Dow Jones. „Realistischerweise halte ich es für unmöglich, die Anstrengungen zur Haushaltssanierung aufzugeben“.Der Sozialist Hollande, der am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich gegen den Konservativen Nicolas Sarkozy gewonnen hatte, will den EU-Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin um eine Wachstumskomponente ergänzen. Er lehnt auch die im Pakt festgeschriebene Schuldenbremse in der Verfassung ab. Eine Neuverhandlung des Paktes hatte Bundeskanzlerin Merkel bereits ausgeschlossen.Ein Hollande-Vertrauter zeigte sich am Dienstag optimistisch, dass mit Deutschland eine Einigung gefunden wird. „Man wird einen Kompromiss finden“, sagte Pierre Moscovici, der für Hollande die Amtsübernahme organisiert, im Radiosender RTL. Der Wahlsieger will sofort nach seiner Amtsübernahme am nächsten Dienstag nach Berlin reisen, um sich mit Merkel zu treffen.Die deutsche Bundeskanzlerin sandte Hollande ein Glückwunschschreiben, in dem sie auf die Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit einging. Es sei an Deutschland und Frankreich, „die notwendigen Entscheidungen für die Europäische Union und die Eurozone zu treffen“. Dem noch amtierenden Präsidenten Sarkozy dankte Merkel am Montag in einem Telefonat für die „enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit“.Bei seinem wohl letzten öffentlichen Auftritt gedachte Sarkozy am Dienstag gemeinsam mit Hollande des Endes des Zweiten Weltkriegs. Nach einem erbittert geführten Wahlkampf legten der Amtsinhaber und sein Nachfolger zusammen einen Kranz am Grabmal des unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe in Paris nieder. Sarkozy hatte Hollande eingeladen, an der Zeremonie teilzunehmen. apa/afp