<b>von Franz Niederegger</b><BR /><BR />Nach Heiko Maas, der sich mit staatsmännischer Blässe und grandiosen Fehleinschätzungen übers Parkett tastete, und Annalena Baerbock, die mit ihren permanenten sprachlichen Ausrutschern und einer substanzlosen „feministischen Außenpolitik“ für weltweites Gelächter sorgte, durfte man zumindest hoffen, dass der neue Außenminister Johann Wadephul den diplomatischen Schleuderkurs verlässt. Doch der Lehrersohn von der Nordsee hat sich mit beeindruckender Zielstrebigkeit dort eingefunden, wo seine Vorgänger versagten: im Fettnapf.<BR /><BR />Schon sein Antritt in Washington geriet zur Farce. Bei einem Treffen mit dem US-Amtskollegen Marco Rubio blieb Wadephul offenbar so unauffällig, dass sich Beobachter fragten, ob Rubio ihn am nächsten Tag überhaupt noch namentlich erinnern würde. Eine reife Leistung für jemanden, der das diplomatische Antlitz der Bundesrepublik gegenüber der Welt zu verkörpern hat.<BR /><BR />Der größte diplomatische Stolpertritt folgte jedoch auf seiner Reise nach Israel. In einem Land, das sich seit Monaten in einer existenziellen militärischen Auseinandersetzung befindet, schien Wadephul unklar zu sein, ob er nun den Mahner, den Waffenfreund oder den moralischen Zeigefinger geben sollte. Ergebnis: eine Kakophonie an Signalen. Waffenexporte an Israel sollten plötzlich „überprüft“ werden, obwohl er noch wenige Monate zuvor als Oppositionspolitiker jegliche Einschränkungen kritisiert hatte. In den Augen der Regierung Netanjahu: ein Vertrauensbruch. In den Ohren der CSU: ein Skandal. In der Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit: ein Mann ohne Linie.<BR /><BR />Auch seine Einschätzung zu den US-amerikanischen Bombenangriffen im Iran lag komplett daneben und zeigte, dass Wadephul vollkommen ahnungslos agiert und es Washington schon lange nicht mehr für nötig erachtet, Berlin auch nur zu informieren. <BR /><BR />Dass dieser außenpolitische Eiertanz nicht folgenlos bleibt, zeigte sich jüngst vor dem Reichstag. Während anti-israelische Demonstranten ungehindert und lautstark ihre Parolen skandierten, wurde eine kleine Pro-Israel-Kundgebung kurzerhand aufgelöst – von der Polizei. Man fragt sich, ob in der neuen deutschen Außenpolitik der Gleichheitsgrundsatz auch auf Demonstrationen angewendet wird – nur eben umgekehrt.<BR /><BR />Wadephul hätte die Chance gehabt, das Auswärtige Amt wieder zur Instanz der klugen Zurückhaltung und diplomatischen Klarheit zu machen. Stattdessen tritt er in die Fußstapfen seiner gescheiterten Vorgänger. Dabei wäre gerade jetzt ein Auftreten mit der Würde angebracht, die der deutschen Außenpolitik nach Jahren des moralischen Übermuts guttäte. Stattdessen erleben wir eine Fortsetzung jener nervösen Selbstüberschätzung, die sich in Schlagzeilen, aber nicht in Stabilität ausdrückt.<BR /><BR />Was bleibt, ist die Erkenntnis: In einer Zeit, in der die Weltpolitik rauer, die Bündnisse brüchiger und die Werteordnung fragiler wird, wäre ein Außenminister gefragt, der mit Souveränität und leiser Autorität agiert – nicht mit Stolpern, Staksen und Symbolverwirrung. Die Zeit für Demut wäre reif. Doch in Berlin scheint man lieber auf Konstanz zu setzen. Leider auf die falsche.