Sonntag, 24. Januar 2016

Autonomiekonvent erfolgreich gestartet

In der Europäischen Akademie Bozen EURAC hat am Samstag der erste Open Space im Rahmen des Südtirol-Konvents stattgefunden. Über 350 Personen fanden den Weg in die EURAC.

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Den Auftakt des ganztägigen Events bildeten die Grußworte von Landtagspräsident Thomas Widmann und Vizelandtagspräsident Roberto Bizzo.

„Der Landtag ist der Garant für einen sauberen und transparenten Ablauf des Südtirol-Konvents“, betonte Widmann und bedankte sich bei der EURAC, die den gesamten Prozess wissenschaftlich begleitet. „Der Konvent ist für alle Südtiroler eine einmalige Gelegenheit. Es ist unser Land, es liegt auch an uns, es zu gestalten. Wir geben hierfür mit dem Südtirol-Konvent einen organisatorischen und institutionellen Rahmen“, bekräftigte er.

Erste inhaltliche Ergebnisse bald da 

Elisabeth Alber und Marc Röggla, Forscher der EURAC, ergriffen das Wort und schilderten den Anwesenden die verschiedenen Phasen des partizipativen Prozesses, der mit dem Open Space nun offiziell Fahrt aufgenommen habe. „Erste inhaltliche Ergebnisse werden im Lauf der kommenden Woche auf der Webseite des Südtirol-Konvents www.konvent.bz.it veröffentlicht.

Die Protokolle der Diskussionsrunden werden transkribiert und unverändert ins Netz gestellt. Der Konvent lebt von vollständiger Transparenz“, betonten Alber und Röggla. Jeder könne sich selbst ein Bild davon machen, welche Themen dabei diskutiert wurden.

„Und jene, die ihm persönlich wichtig, aber noch nicht angesprochen worden sind, bei einer der nächsten Open Spaces selbst aufs Tapet bringen“, ergänzten die Forscher.

Für die operative Abwicklung vor Ort zeichnet (neben der EURAC, die den gesamten Prozess wissenschaftlich begleitet) Sabina Frei vom Netzwerk für Partizipation verantwortlich. Gemeinsam mit dem Moderatorenteam Katharina Erlacher und Monica Margoni obliegt ihr, Bernd Karner und Klaus Tumler die organisatorische Gestaltung der Open Spaces.

Sieben Diskussionsgruppen in fünf Runden
Den Teilnehmern standen sieben Diskussionsräume zur Verfügung, in denen sie jeweils 45 Minuten zu einem Thema debattieren konnten. Die Themen, die während des Tages diskutiert wurden, waren zu Beginn der Veranstaltung von den Moderatorinnen gesammelt worden: 
Themen wie die (zwei-, dreisprachige?) Schule von morgen, Proporz, Selbstbestimmung und Ortsnamengebung waren dabei, ebenso wie strukturelle Neuausrichtungen des Landes (Brückenfunktion zwischen Nord und Süd, EU der Regionen, Förderung lokaler Kreisläufe).

Es wurde auch in größeren Kategorien gedacht: Die zukünftige Südtiroler Gesellschaft war Thema in einer Arbeitsgruppe, Identität und Vielfalt, Steuerhoheit, eine Präambel für das Autonomiestatut sowie die Verankerung des Vaterlandes Österreich im Statut ebenfalls; bekannte Themen wie die Vollautonomie wurden aufs Tapet gebracht, aber auch visionäre Zukunftsszenarien, etwa der Bürger als Souverän in einem autonomen Land. Ein neues Raumordnungsgesetz gab ebenfalls Anlass zum Disput, auch geeignete Maßnahmen zum Schutz der deutschen und ladinischen Volksgruppe. 
Thomas Widmann zeigte sich sehr erfreut über das Diskussionsklima in den Arbeitsgruppen: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sehr angeregt diskutiert. Mich hat die Sachlichkeit der Diskussion beeindruckt.“ 
Die ausführlichen Protokolle jeder Diskussionsgruppe werden im Lauf der Woche auf der Webseite des Südtirol-Konvents (www.konvent.bz.it) veröffentlicht.

„Autonomie der Menschen“

"Der Südtiroler Volkspartei, als die Autonomiepartei, ist der Konvent natürlich ein großes Anliegen. Deshalb ließen es sich die beiden SVP-Parteiobmannstellvertreter Angelika Wiedmer und Zeno Christanell nicht nehmen, am Samstag dabei zu sein", betont die SVP in einer Presseaussendung, und zeigt sich erfreut über den erfolgreichen Start. 

"Der vor allem von der SVP initiierte Konvent hat seine Feuertaufe gut überstanden. Viele Menschen haben sich engagiert, interessiert und konstruktiv in den insgesamt 35 Arbeitsgruppen eingebracht. Der Konvent kann so durch die Bürger zu einer wichtigen Idee- und Zukunftsschmiede werden. Schon allein der Prozess, die breite Auseinandersetzung mit unserer Autonomie, ist ein Erfolg", meinen Wiedmer und Christanell.

Der Autonomiekonvent sei die evolutive Fortsetzung der Selbständigkeitspolitik der Südtiroler Volkspartei. Alles was in den letzten Jahrzehnten im Autonomiebereich erreicht worden ist, sei über den Verhandlungsweg gelungen.

Dies habe vielen Generationen in Südtirol eine gute Zukunftsperspektive gegeben, zu großem Wohlstand und vor allem zu einem friedlichen Zusammenleben geführt. Die Rahmenbedingungen haben sich seit 1972 aber wesentlich verändert.

stol

stol