Bürgermeister Andreas Jungmann findet es persönlich einen guten Vorschlag. Franz Pattis von der Initiativgruppe „Team Auwald“ spricht von einem „faulen Kompromiss“ und einer zu erwartenden Rodung des Brixner Auwaldes in Salami-Taktik. Progress-Verwaltungsratspräsident Philipp Froschmayr wollte gestern nicht Stellung nehmen, auch weil er aktuell nicht im Lande weilt.<BR /><BR />Wie berichtet, hat die Landeskommission für Raum und Landschaft vergangenen Donnerstag über die Bauleitplanänderung zum Brixner Auwald befunden. Dort möchte die Progress Group ein Hightech-Werk zur Produktion von 3D-Druckern errichten.<BR /><BR /> Laut im Juli 2023 präsentiertem Projekt plante das Unternehmen, in einer ersten Ausbaustufe 15.000 Quadratmeter der rund drei Hektar großen Auwald-Fläche zu verbauen, in einem zweiten Baulos ab dem Jahr 2035 weitere 8.000 Quadratmeter. 7.000 Quadratmeter des Auwaldes (30 Prozent des Bestandes) sollten dauerhaft erhalten bleiben. <BR /><BR />Im Gegenzug erklärte sich das Unternehmen bereit, eine 1,7 Hektar große Fläche im Süden der Millander Au anzukaufen, um diese erweitern zu können.<BR /><BR />Die beantragte Bauleitplanänderung sah vor, den Auwald, ein „Gebiet mit besonderer landschaftlicher Bedeutung“, von Landwirtschaftsgebiet und Wald in Gewerbegebiet sowie die genannten 1,7 Hektar in Biotop umzuwidmen. Die Kommission für Raum und Landschaft stimmte nur der Umwidmung der halben Fläche (7.000 Quadratmeter Wiese und rund 9.000 Quadratmeter, einem Drittel Auwald) in Industriezone zu. Nun muss der Brixner Gemeinderat und dann die Landesregierung über die Bauleitplanänderung befinden.<BR /><BR />Franz Pattis bedauert in einer Zuschrift, dass die genehmigte Fläche auch den „naturalistisch hochwertigsten Teil im Nordwesten, bestehend aus Weichholz-Auwald mit mächtigen Schwarzpappeln“ und einen Streifen „des ebenfalls sehr wertvollen Grauerlen-Auwaldes am Ostrand der Wiese“ umfasse. Der vom Team Auwald bzw. vom WWF Trentino-Südtirol und vom Artenschutzzentrum St. Georgen im Jänner 2024 eingereichte Antrag um einen höheren Schutzstatus „Biotop“ wurde laut Pattis mit der Begründung abgelehnt, dass dieser Wald bereits im Landschaftsplan geschützt sei. <BR /><BR />„Wie viel dieser Schutz im Landschaftsplan tatsächlich wert ist, sieht man an der jetzt genehmigten Bauleitplanänderung“, meint Pattis mit Verweis auf die zweistufigen Ausbaupläne der Firma und ergänzt: „Nachdem sich die Gemüter beruhigt haben werden, wird man in einigen Jahren ganz im Sinne der bewährten Salami-Taktik das Baulos B für 2035 in Angriff nehmen.“ <BR /><BR />Pattis zählt eine Reihe von Gutachten auf, die den Auwald als schützenswert einstufen. Ebenso verweist er zum wiederholten Male auf Leerstände in der Industriezone, die stattdessen verbaut werden sollten.<BR /><BR />Bürgermeister Andreas Jungmann erklärt auf Anfrage, dass die Gemeindeverwaltung noch auf die überarbeiteten Unterlagen warte, wo im Detail die betroffenen Flächen ersichtlich seien. Vom Auwald sei jener Teil von der Umwidmung betroffen, in dem die Fichte bereits überhandgenommen habe. <BR /><BR />Jungmann geht davon aus, dass sich der Gemeinderat den Beschluss der Kommission zu eigen macht. Damit ist für ihn – „für diese Verwaltung“ – die Ausweisung der gesamten Fläche vom Tisch. Er spricht von einem guten Kompromiss. „Das Wichtigste“ sei, dass die Progress Group trotz Halbierung die 1,7 Hektar für die Biotop-Erweiterung Millander Au bereitstellen wolle. Weitere 650 Quadratmeter kommen dank Sponsoren noch dazu.<BR /><BR />Die Aussagen zu den Leerstands-Flächen bezeichnet Jungmann als Lüge. Für das Ex-Holz-Magagna-Areal südlich des Straßendienst-Sitzes gibt es ein genehmigtes Projekt der TTControl, die hier ein europäisches Forschungszentrum zum autonomen Fahren errichten werde. <BR /><BR />Auf der Freifläche vor der Firma Alupress plane diese eine Erweiterung ihrer Produktionsstätte. Aufgrund der globalen Entwicklungen werde noch etwas abgewartet. Für die Fläche des ehemaligen Gasthofes „Ziggler“ im Feldthurner Gemeindegebiet hat die Progress Group einen Kaufvorvertrag unterschrieben, um den Baustoffhandel von Top-Haus dorthin zu verlegen.