Camping erlebt in Pandemiezeiten einen Boom. Die Nächtigungen haben sich in den letzten 10 Jahren auf über 400.000 verdoppelt. Derzeit fangen 55 Campingplätze den Ansturm auf. Zusätzliche Campingplätze sind mit dem neuen Urbanistikgesetz de facto nicht mehr möglich.<BR /><BR />Für einen neuen Campingplatz braucht es nach dem neuen Urbanistikgesetz eine Tourismuszone, die man nicht kriegt, und es ist der urbanistische Mehrwert zu zahlen. Das sind gewaltige Summen.<BR />Weiter erlaubt sind Wohnmobilstellplätze mit bis zu 19 Plätzen für Kurzzeitparker. Gemeinden können dazu öffentliche Parkplätze ausweisen, auf denen Durchreisende maximal 72 Stunden parken können. <BR /><BR />Nicht erlaubt ist in Südtirol das sogenannte Agri-Camping – und genau diese Lücke will Peter Faistnauer (Perspektiven für Südtirol) mit einem Gesetzesentwurf schließen, der im Jänner vom 2. Gesetzgebungsausschuss des Landtags behandelt wird. „Camping am Bauernhof ist in ganz Italien möglich. Wieso sollen unsere Bauern diskriminiert werden?“ sagt Faistnauer. <h3> Gegen das Wildparken</h3>3 Stellplätze pro Hof sollten zulässig sein. Damit könnten sich die Bauern mit geringen Investitionen etwas dazuverdienen. Agri-Camping sei zudem eine Möglichkeit, das Phänomen der Wildparker in geregeltere Bahnen zu bringen. <BR /><BR />Landesrat Arnold Schuler sieht das anders. Derzeit arbeite man an einem Gesamtkonzept für Camping. „Und wir sind bereit, die Gesetzeslage zu lockern und einige wenige neue Campingplätze dort zuzulassen, wo sie strategisch nötig sind“, so Schuler. Diese müssten aber hochwertig sein. Eine weitere Öffnung in Richtung Agri-Camping lehnt er aber ab. „Das Angebot wird sicher genutzt. Wir aber wollen uns in Richtung Nachhaltigkeit und Qualität entwickeln und brauchen nicht Tausende Camper auf engen Straßen, wo ich die Feuerwehr gleich mitschicken kann, und die am nächsten Tag wieder weg sind“, so Schuler.<BR /><BR />Bedeckt hält sich Kommissionspräsident Franz Locher. „In der Talsohle kann es passen. Für Bergbauern wäre Camping wirtschaftlich interessant, aber landschaftlich und mit dem Verkehr sehe ich Probleme“, sagt der Abgeordnete.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57655651_quote" /><BR /><BR /> Faistnauer zeigt sich gesprächsbereit. Zufahrt und Landschaftsschutz müssten garantiert sein. Da es sich um eine Lizenz handle, entscheide die Gemeinde. Man könne die Lizenz auf 1. April bis 10. Oktober begrenzen. „Ich sehe nur nicht ein, wieso man den Bauern die Möglichkeit nimmt, sich selbst zu helfen. Bergstraßen gibt es auch im Trentino.“ Der Landesrat wolle nur das hochpreisige Segment bedienen. Man sei aber nicht „im Kommunismus“. <BR /><BR />Jetzt geht der Ball an die Kommission. Das bäuerliche Kleeblatt Franz Locher, Manfred Vallazza, Andreas Leiter Reber und Peter Faistnauer hat dort schon beim Bettenstopp für Alleingänge gesorgt. „Und ich finde Agri-Camping durchaus interessant“, so Leiter Reber. <BR /><BR />Camping am Bauernhof ist ein langer Wunsch des Bauernbundes. Die Gemeinden haben ihre Not mit vielen Tagescampern, und es werden ständig mehr. Diese Gruppe möchte nicht auf einen Campingplatz; sie bleiben kurze Zeit an einem Ort und ziehen dann weiter. „Diese Form des Campings wird von Plattformen beworben und erfreut sich steigender Beliebtheit“, sagt SBB-Direktor Siegfried Rinner. <h3> „Schafft nur Probleme“</h3>Agri-Camping sei im gesamten Alpenraum und auch in Italien zugelassen. „Einige wenige Stellplätze am Bauernhof, geregelt über eine Lizenz, könnten Teil der Lösung sein. Die Lizenz gibt es nur, wenn alles passt: Zufahrt, Erreichbarkeit, Landschaftsschutz“, so Rinner. Bei Weitem nicht jeder Bauernhof sei geeignet. <BR /><BR /> Thomas Rinner, Obmann der Südtiroler Campingplatzbetreiber, ist erfreut über die Zusage des Landesrats, neue Campingplätze zuzulassen: Spielraum sieht er im Osten des Landes. Agri-Camping schaffe aber nichts als Probleme, denn es sei nicht kontrollierbar. „Wer schaut nach, was auf 1500 Metern passiert? Keiner, außer es bleiben Camper stecken, was zu erwarten ist. Im Pustertal wird es illegal auf Bauernhöfen betrieben. Steuern bleiben auf der Strecke“, sagt Rinner.