Freitag, 22. Mai 2015

Beflaggung: Bruno Vespa stellt Südtirol an den Pranger

Die Weigerung von Landeshauptmann Arno Kompatscher, am Sonntag die Gebäude der Landesregierung zu beflaggen, hat auch in der RAI-Sendung "Porta a porta" zu Diskussionen geführt.

Immer wieder versuchte Bruno Vespa, seine Gäste davon zu überzeugen, dass Südtirol im Unrecht sei. - Foto: Screenshot
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Immer wieder versuchte Bruno Vespa, seine Gäste davon zu überzeugen, dass Südtirol im Unrecht sei. - Foto: Screenshot

Gleich zu Beginn der Sendung zum Thema Erster Weltkrieg am Donnerstagabend startete Moderator Bruno Vespa mit der Erklärung Kompatschers, die Gebäude nicht zu beflaggen. Immer wieder versuchte er, seinen Gäste eine negative Wertung dieser Entscheidung zu entlocken - mit wenig Erfolg.

Weder Verteidigungsministerin Roberta Pinotti, noch Historiker Ernesto Galli Della Loggia oder Verleger Paolo Mieli empfanden die Weigerung als unverständlich, im Gegenteil.

Mieli: "Italien stand es nicht zu, sich Südtirol anzueignen"

Pinotti erinnerte vor allem daran, dass der Krieg sehr viel Leid gebracht hat, vor allem in Trentino-Südtirol. Es müsse verständlich sein, dass man sich nicht gerne an die Toten und die Tragödie des Ersten Weltkrieges erinnern wolle.

Daraufhin richtete Vespa das Wort an Historiker Galli Della Loggia: "Welchen Eindruck macht es, dass ein Stück Italiens sich weigert, die Flagge zu hissen?"

Auch der Dozent drückte sein Verständnis aus: "Der Landeshauptmann fühlt sich als Österreicher, er wähnt sich auf der Seite der Verlierer. Wenn ihm nicht danach ist, diesen Tag zu feiern, dann erlaubt ihm die Demokratie das auch."

Daraufhin legte Vespa nach: "Es ist natürlich auch wahr, dass die Südtiroler in all den Jahren nach Österreich hätten gehen können. Es hat aber offensichtlich nie jemand darauf bestanden."

Und auch der Verleger Paolo Mieli wies Vespa in seine Schranken: "Wir haben uns damals mit Südtirol ein Territorium angeeignet, das uns nicht zustand. Solche Sachen passieren im Krieg. Aber es ist verständlich, dass diese ehemals österreichische Bevölkerung keine große Lust hat, die 'Einigung' Italiens zu feiern. Das muss man respektieren."

Der Moderator schloss das Thema damit ab, dass niemand von den Südtirolern verlange, auf den Kriegseintritt anzustoßen, aber dass das Hissen der Flagge ein Zeichen des Respekts gegenüber dem Land sei, dem man angehört.

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Süd-Tiroler Freiheit: "Wollen, dass man Einheit feiert, auch wenn man sich nicht heimisch fühlt"

Die Süd-Tiroler Freiheit übte in einer Aussendung scharfe Kritik an der Fernsehsendung.  

"Wenn man Bruno Vespa und der Verteidigungsministerin zuhört, wird einmal sehr klar, worum es in den beiden geht: um die Einheit Italiens, an der gefälligst auch jene mitfeiern sollten, die sich immer noch nicht als Italiener fühlen."

Freiheitliche: "Brauchen Hass und Unwissenheit Vespas nicht"

„Südtirol hat eine sehr turbulente und leidige Geschichte hinter sich und es ist immer noch ein Unrecht, dass Südtirol zu diesem Staat gehört, welcher nicht jener der Südtiroler ist. Wir sollten uns nicht vom TV-Moderator Bruno Vespa treiben lassen, denn seinen Hass und seine Unwissenheit brauchen wir in Südtirol nicht. Während viele Italiener unsere Anliegen und Wünsche verstehen, will sie Vespa eben nicht verstehen und wird sie nie verstehen wollen. Da lobe ich mir die Historiker, welche in der Sendung Vespas ihn des besseren belehrt haben“, schrieb der freiheitliche Landtagsabgeordnete Sigmar Stocker in einer Aussendung.

stol/liz

stol