Freitag, 10. Juli 2020

„Bei den Hilfsmaßnahmen nachbessern“

Seit die Hilfsmaßnahmen der Landesregierung für die durch die Coronakrise in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen verabschiedet worden sind, gab es immer wieder Kritik von den verschiedensten Seiten: Zu wenig, zu langsam, uninteressante Konditionen.

Nun müsse bei den Hilfsmaßnahmen nachgebessert werden, so Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer.
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Nun müsse bei den Hilfsmaßnahmen nachgebessert werden, so Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer. - Foto: © shutterstock
Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen, betont, dass er Verständnis dafür habe, dass es in dieser schwierigen Zeit auch für das Land nicht einfach gewesen sei, schnell die geeigneten Maßnahmen zu treffen. Nun gelte es aber Nachbesserungen vorzunehmen.

Die bisherigen Hilfsmaßnahmen des Landes sind – ganz grob gesagt – in 3 Kategorien gegliedert: Die Stundung von anfallenden Zahlungen und Abgaben, die Liquiditätsmaßnahmen/Hilfskredite und die Hilfe am Markt, also die 33 Millionen Euro für den Wirtschaftsdienstleister IDM.

Letzteres sei gut und wichtig, sagt Aberer, da man durch gezielte Werbung auch in Coronazeiten auf den Standort Südtirol aufmerksam machen müsse.

„Kriterien an aktuelle Entwicklung anpassen“

Was die Verlustbeiträge anbelangt, so gestalte sich vor allem die Umsetzung etwas kompliziert, so Aberer: „Als Voraussetzung für einen Verlustbeitrag muss man etwa 50 Prozent Umsatzeinbußen in den Monaten März, April und Mai dieses Jahres nachweisen, oder 20 Prozent Umsatzeinbußen im Jahr.“ Zudem sei es so, dass viele Unternehmen die Auswirkungen des Lockdowns erst in den kommenden Monaten zu spüren bekommen, so Aberer. „Daher gilt es bei den Verlustbeiträgen nachzubessern und auch einen weiteren Schritt zu machen.“

Damit meint er, dass man die Kriterien an die Entwicklung der vergangenen Wochen und auch an die Prognosen der kommenden Monate anpasse. Zudem müsse der Zugang zu den Beiträgen vereinfacht werden, fordert der Generalsekretär der Handelskammer.

„Geliehene Gelder der Wirtschaft“

Was den Bereich der Hilfskredite anbelangt, so könnten diese zwar hilfreich sein, de facto seien es aber zusätzliche Schulden, die der Unternehmer auf sich laste, sagt Aberer. Es seien also geliehene Gelder der Wirtschaft. „Man sagt also dem Unternehmer, der sich in Schwierigkeiten befindet, dass er zusätzliche Schulden machen soll, die er natürlich zurückzahlen muss“, so Aberer. „Besser als Kredite wären daher Zuschüsse an die Unternehmen.“

Ein Blick in das Veneto

Wie es andere Regionen machen, sieht man am Beispiel des Veneto. Dort wurden letzthin 70 Millionen Euro in die Hand genommen: 20 Millionen Euro für Verlustbeiträge, 20 Millionen Euro für die Förderung von Forschung und Entwicklung und 30 Millionen Euro für Hilfskredite für Kleinst- und Kleinunternehmen mit einer Laufzeit von 6 Jahren, ohne Zinsen und ohne Kosten. „Gute Maßnahmen“, sagt Aberer dazu. Wichtig sei auch der Bereich Innovation: „Ich denke, dass Investitionen in die Zukunft ein gut investiertes Geld ist.“ Zudem würden Kleinkredite von bis zu 6 Jahren ohne Zinsen einen guten Planungshorizont ermöglichen, sagt der Generalsekretär der Handelskammer Bozen.

sor