Und noch wichtiger: Das Unterfangen gelang zu einigermaßen tragbaren Zinsen in der Größenordnung von rund sechs Prozent. Das ist nicht mehr weit entfernt von den Sätzen, die Italien berappen muss. Das aktuell um Zentrum der Krise stehende Spanien muss schon jetzt für seine Anleihen in diesen Bereich deutlich über sieben Prozent Zinsen bieten, weit mehr, als nun Irland bei seiner Rückkehr an den Markt.Die Verfechter der viel kritisierten Anti-Krisenstrategie in Europa, die Hilfen nur im Gegenzug zu einschneidenden Spar- und Reformzusagen geben wollen, können sich bestätigt sehen. Sie können nun mit Verweis auf Irland argumentieren: bei konsequenten Anpassungen wird man am Ende belohnt.So bewertete auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble Irlands Rückkehr an den Kapitalmarkt als Beleg dafür, wie Vertrauen an den Märkten zurückgewonnen werden kann. Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der DekaBank sagte Reuters: „Irland ist damit ein Vorbild.“ Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer allerdings rechnet bei allen Fortschritten damit, dass die Finanzminister der Euro-Gruppe in ein paar Monaten noch gesonderte Hilfen für die irischen Banken beschließen müssen.Irland war nach Jahren des wirtschaftlichen Booms 2010 in eine Banken- und als Folge in eine Staatskrise abgedriftet – zu einem ähnlichen Zeitpunkt, als sich in Griechenland die Abwärtsspirale zu drehen begann. Doch anders als im südlichen Euro-Land litten die Iren weniger unter einer umfassenden Krise der Gesamtwirtschaft und der Wettbewerbsfähigkeit, sondern ächzten unter einem überdimensionierten Bankensektor, der das ganze Land herabzuziehen drohte. Bis dato waren die irischen Staatsfinanzen noch einigermaßen in Ordnung. Bei der Schuldenquote lag das Land mit 65,1 Prozent etwa deutlich besser als Deutschland und Frankreich.Allein konnte der irische Staat dieses Problem damals nicht mehr schultern. So schlüpfte es schließlich Ende 2010 als erster Kandidat unter den frisch geschaffenen Rettungsschirm EFSF. Der gewährte dem Land, zusammen mit einer Reihe von Partnern, darunter dem IWF, ein Hilfsprogramm von 85 Mrd. Euro.Als Gegenleistung musste sich Irland zu einer Rosskur verpflichten, die durchaus dramatische Züge aufwies: steuerliche Freibeträge wurden kräftig gesenkt, Steuern erhöht, Pensionen und Gehälter im öffentlichen Dienst gekürzt, Banken restrukturiert und teils verstaatlicht. Und der Sparprozess läuft noch. Die Erhöhung des Renteneintrittalters in Richtung 68 Jahre ist erst eingeleitet, weitere Senkungen der staatlichen Ausgaben stehen an, Abgabenerhöhungen sind geplant.Verglichen mit Griechenland laufen die Anpassungen und der politische Schlagabtausch darüber ziemlich geräuschlos. So bescheinigten IWF, EZB und EU-Kommission Irland, wenn auch versehen mit etlichen Mahnungen: Zusagen eingehalten, Umsetzung der Reformen im Plan.Eines konnte Irland trotz erheblichen Drucks der europäischen Partner bisher abwenden: eine Erhöhung seines immer noch nahezu konkurrenzlos niedrigen Satzes für die Unternehmensbesteuerung – ein Problem, bei dem viele Kritiker von unfairen Praktiken im Wettbewerb um Wirtschaftsansiedlungen in Europa sprechen. Das Wort vom Steuerdumping macht die Runde.Dennoch rangiert Irland bei der Verschuldung immer noch in der Spitzengruppe der Euro-Länder. Mit einer Schuldenquote von 116,1 Prozent in diesem Jahr liegt das Land auf Platz drei – hinter Griechenland und Italien. Bei der Neuverschuldung allerdings schafften die Iren einen gewaltigen Satz von rund 31 Prozent 2010 auf die angestrebten nur noch rund 8,6 Prozent. Das liegt aber immer noch deutlich über der europäischen Grenzquote von drei Prozent. Auch die Steuereinnahmen sprudeln inzwischen wieder.Noch tief im Abgrund steckt Irland nach dem harten Bremskurs der letzten Jahre aber bei der Arbeitslosigkeit. Mit 14,3 Prozent liegt die Quote auf einem Niveau wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Und auch bei der Wirtschaftsleistung befand sich Irland im ersten Quartal im Rückwärtsgang mit einem Minus von gut einem Prozent. Allerdings ist auch hier die Tendenz positiv. Der IWF sagt dem Land für dieses Jahr zwar nur magere 0,5 Prozent Wachstum voraus, aber schon zwei Prozent im kommenden Jahr. Davon kann ein Krisenland wie Griechenland derzeit nur träumen. Gernot Heller/reuters