Sonntag, 12. Juli 2020

Berichte über mögliche weitere Tote bei Protesten in Malis Hauptstadt

Nach den gewalttätigen Protesten in Malis Hauptstadt Bamako droht sich die Zahl der Opfer weiter zu erhöhen.

Heftige Krawalle gibt es zurzeit in Bamako.
Heftige Krawalle gibt es zurzeit in Bamako. - Foto: © APA/afp / MICHELE CATTANI
Augenzeugen berichteten über mindestens einen leblos am Boden liegenden Demonstranten, der Schusswunden aufwies. Er lag vor der Moschee von Imam Mahmoud Dicko, der eine einflussreiche politisch-religiöse Gruppierung anführt. Dort war es in der Nacht zu Sonntag zu Ausschreitungen gekommen.

3 Tote und über 70 Verletzte

Die Krawalle hatten mit einer Demonstration am Freitagabend begonnen, bei der nach offiziellen Angaben 3 Menschen ums Leben kamen. Weitere 74 Demonstranten seien verletzt worden, hatte Premierminister Boubou Cissé am Samstagabend bei einem Krankenhausbesuch bekanntgegeben.

Mehrere Demonstranten hatten am Freitagabend vorübergehend das Gebäude des staatlichen Rundfunksenders ORTM besetzt und teilweise beschädigt. Sie gingen auch gegen die Nationalversammlung vor. Anhänger der Opposition hatten später auch mit Straßenbarrikaden auf Berichte über Festnahmen mehrerer Oppositionsführer reagiert. Nach offiziell unbestätigten Berichten soll sich darunter auch Dicko befinden.

Ansprache von Präsident verschoben

Eine für den Samstagabend in Aussicht gestellte Ansprache von Präsident Ibrahim Boubacar Keïta war auf unbestimmte Zeit verschoben worden. In Mali – sowie anderen Ländern der Sahelzone – sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv, einige haben den Terrorgruppen Islamischer Staat (IS) oder Al-Kaida die Treue geschworen. In dem Land sind auch deutsche Soldaten als Teil der UN-Stabilisierungsmission Minusma sowie der EU-Ausbildungsmission EUTM Mali im Einsatz, wegen der Pandemie ruht EUTM Mali aber praktisch.

dpa

Schlagwörter: