„Sollten wir die Mehrheit im Parlament erhalten, wäre ich mit einem Strafnachlass für Steuersünder absolut einverstanden. Die Linke hat sich immer dagegen gewehrt“, erklärte Berlusconi in einem TV-Interview am Montag.Bei großen Geldnöten hatten italienische Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zum Strafnachlass für Steuersünder (condono) gegriffen, um die Löcher in der Staatskasse behelfsmäßig zu stopfen. Zuletzt hatte die Regierung Berlusconi im Jahr 2002 einen Strafnachlass für Steuersünden über die Bühne gebracht. Damit konnten Steuerpflichtige schuldige Steuerbeträge zu günstigen Bedingungen begleichen. 2009 hatte die Regierung Berlusconi eine Amnestie zur Rückführung von Fluchtkapital beschlossen, wobei mit einer anonym entrichteten Steuer die Verstöße gegen die Steuerbestimmungen bereinigt werden konnten.Wie berichtet hatte Berlusconi am Sonntag bereits die Rückzahlung der Immobiliensteuer IMU aus dem Jahr 2012 an die Italiener als „Entschädigung“ im Fall eines Sieges seiner Wahlallianz versprochen. Er hatte eine derartige Steuer bereits 2008 abgeschafft. Die aus Technokraten gebildete Regierung von Monti hatte die unbeliebte Abgabe im vergangenen Jahr im Bemühen um eine Sanierung der Staatsfinanzen dann wieder eingeführt. Sollten die Abgaben zurückgezahlt werden, würde der Staat rund vier Milliarden Euro verlieren.Hitzige DiskussionenBerlusconis Wahlversprechen lösten hitzige Reaktionen in Rom aus. „Bei jedem Wahlkampf siegt die Propaganda, doch diesmal ist die Schwelle des Anstands überschritten worden. Berlusconi buhlt jetzt offen um die Stimmen der Steuerhinterzieher“, protestierte der scheidende Präsident der Abgeordnetenkammer, Gianfranco Fini, der mit dem Zentrumsblock um den scheidenden Premier Mario Monti für die Parlamentswahlen ins Rennen geht.Anna Finocchiaro, Fraktionschefin der Mitte-links-Gruppierung PD, warnte vor Berlusconis Populismus. apa