Für Aufregung sorgte der Präsident der radikalen Linkspartei „Sinistra, Ecologia, Libertà“ (SEL), Nichi Vendola, der Depardieu scharf kritisierte.„Die Superreichen sollten zur Hölle fahren. Ich habe keinerlei Respekt für Depardieu, einen Millionär, der emigriert, um seinen Status zu verteidigen und sich in die Arme Putins stürzt“, kommentierte Vendola den Beschluss des Franzosen, die russische Staatsangehörigkeit anzunehmen.Damit goss der Süditaliener Öl ins Feuer der Polemik um die Vereinbarkeit zwischen der linksradikalen Linie seiner SEL-Gruppierung und der Demokratischen Partei (PD) Pierluigi Bersanis. der nach den Parlamentswahlen am 24. und 25. Februar eine Kooperation mit dem Zentrumsblock um Ex-Premier Mario Monti eingehen will.Der 54-jährige Vendola, ein früherer Genosse des Altkommunisten Fausto Bertinotti, macht kein Hehl daraus, dass er die meisten Reformen der Regierung von Mario Monti wieder rückgängig machen will.Der Mitbegründer der Schwulenorganisation Arcigay kritisiert offen den EU-Fiskalpakt und stemmt sich vehement gegen den „von der Hochfinanz diktierten Austeritätskurs“ des Fachleutekabinetts. Dabei scheut sich Vendola nicht davor, altlinke Positionen, angefangen beim Kündigungsschutz, zu verteidigen.Bersani: „Reiche sollen in Italien bleiben und hier ihre Steuern zahlen“Auf Vendolas Attacke gegen die Superreichen reagierte der Spitzenkandidat des Mitte-Links-Blocks, Bersani, gelassen. „Die Reichen sollen nicht zur Hölle fahren, sondern in Italien bleiben und hier ihre Steuern zahlen“, kommentierte Bersani.Der Fall Depardieu beschäftigt auch Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi, der für den Filmstar Verständnis zeigt. „Depardieu hat der französischen Linken eine Lehre erteilt“, kommentierte Berlusconi nach Angaben italienischer Medien.Berlusconi: „Verstehe den Unmut eines Bürgers, der 65 Prozent seines Einkommens dem Fiskus zahlen muss“„Ich bin nicht für Steuerhinterziehung. Ich begreife aber den Unmut eines Bürgers, der 65 Prozent seines Einkommens dem Fiskus zahlen muss. Ich verstehe, dass er sich im Recht fühlt, wenn ihm ein Steuerberater alternative Lösungen vorschlägt“, betonte Berlusconi.Seine Worte lösten hitzige Reaktionen in Italiens Mitte-Links-Lager aus. „Berlusconi behauptet wieder einmal, dass es richtig und gesund ist, Wege zu finden, um die Steuern nicht zu zahlen. Seine Verherrlichung der Schlauen und der Steuerhinterzieher hat Italien zutiefst beeinflusst, mit sichtbaren Folgen: Italien muss doppelt so hart arbeiten, um seine Bilanzen zu sanieren“, kommentierte der Linkspolitiker Bruno Tabacci.Italien hat unter der Regierung Monti einen harten Kampf gegen Steuerhinterziehung begonnen. Es sei inakzeptabel, dass Arbeiter Opfer bringen würden, während ein großer Teil des Reichtums Italiens am Fiskus vorbei geschleust würde und dadurch den Druck auf „ehrliche Steuerzahler“ erhöhe, sagte Monti kürzlich.apa