Massimo Ciancimino, Sohn des mit der Mafia verstrickten verstorbenen Bürgermeisters von Palermo Vito Ciancimino, berichtete am Dienstag vor einem Gericht in Palermo, dass Dell’Utri im Auftrag des Staates mit Mafiosi verhandelt hatte, um weitere Anschläge wie jene des Jahres 1992 zu verhindern, bei denen die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino getötet worden waren. Dell’Utri, Senator der Berlusconi-Partei „Volk der Freiheit“ war wegen des Vorwurfs der Zusammenarbeit mit der Mafia zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, legte jedoch gegen das Urteil Berufung ein.Ciancimino berichtete, dass der einflussreiche Mafia-Pate Bernardo Provenzano den italienischen Behörden geholfen habe, im Jahr 1993 die langjährige Nummer Eins der Cosa Nostra, Toto Riina, festzunehmen. Dafür hatte er eine Art von Immunität von den Justizbehörden erhalten, die ihm ermöglichte, frei in Rom und auf Sizilien seine Geschäfte abzuwickeln. Provenzano, der 40 Jahre lang auf der Flucht war, wurde erst 2006 von den Justizbehörden verhaftet. Ciancimino bezog sich auf Informationen, die er von seinem 2002 verstorbenen Vater Vito erhalten hatte.Die Aussagen Cianciminos vor Gericht werfen ein beunruhigendes Licht auf die Verstrickungen zwischen Mafia und Politik. Ciancimino berichtete über die enge Freundschaft zwischen seinem einflussreichen Vater, der Palermo in den 60er und 70er Jahren regiert hatte, und Provenzano. Ciancimino Junior, der selbst wegen Geldwäsche zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden war, hatte am Montag erklärt, dass Provenzano in den 70er Jahren Geld in die Errichtung des Mailänder Viertels Milano 2 investiert hatte. An dem Bau des Viertels war prominent auch eine Baugesellschaft des damaligen Jung-Unternehmers Silvio Berlusconi beteiligt. Danach wurde er Medienunternehmer - und damit der reichste Mann des Landes. Heute ist Berlusconi Ministerpräsident.Massimo Ciancimino war 2006 verhaftet worden. Danach hatte er sich zur Zusammenarbeit der mit der sizilianischen Justiz entschlossen. Er soll in der Schweiz die Schwarzgelder seines einflussreichen Vaters gewaschen haben. Vito Ciancimino, der zur Zeit des Baubooms in den 60er und 70er Jahren Bürgermeister von Palermo gewesen war und Mafia-Firmen Milliardenaufträge zugeschanzt haben soll, war 1991 wegen Amtsmissbrauchs und Korruption zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.Massimo Ciancimino sagte am Dienstag als Zeuge im Prozess gegen Mario Mori, den Ex-Kommandanten der Carabinieri-Sondereinheit ROS, aus. Mori wird beschuldigt, in den 90er Jahren einen Geheimpakt mit der Mafia zur Verhinderung von Anschlägen abgeschlossen zu haben. Mori, der auch ehemaliger Chef des Geheimdienstes SISDE war, steht in Palermo wegen des Vorwurfs vor Gericht, eine mögliche Festnahme Provenzanos im Jahr 1995 verhindert zu haben.apa