Der Beschluss wurde von Untersuchungsrichter Pier Luigi Balestrieri gefällt, der über die Eröffnung eines Prozesses gegen Berlusconi und seinen Sohn entscheiden musste.Bei den Ermittlungen ging es um Steuererklärungen aus den Jahren 2003 und 2004. In dieser Zeit hatte das Unternehmen RTI, eine hundertprozentige Tochter von Mediaset, seinen Sitz in Rom und musste daher dort seine Steuererklärungen einreichen. Außer dem Ex-Regierungschef und dem stellvertretenden Mediaset-Präsidenten Piersilvio Berlusconi waren ein Dutzend Mediaset-Manager im Visier der Ermittler.Die Ermittlungen in Rom waren Teil eines größeren Verfahrens in Mailand, dem Sitz von Mediaset. Dabei geht es um den Vorwurf, der Konzern habe in den 90er Jahren mit Hilfe von Briefkastenfirmen die Preise für Übertragungsrechte von Filmen künstlich in die Höhe getrieben. Durch solche Machenschaften könnte Berlusconi Schwarzgelder im Ausland angelegt und die Gewinne für Mediaset in Italien gesenkt haben, um weniger Steuern bezahlen zu müssen.Auf derartige Vergehen stehen Haftstrafen zwischen eineinhalb und sechs Jahren. Die Mailänder Staatsanwälte hatten vergangene Woche das Gericht in Mailand aufgefordert, Berlusconi in diesem Verfahren zu drei Jahren und acht Monaten Haft zu verurteilen. Für Fedele Confalonieri, Präsident der Berlusconi eigenen TV-Gruppe Mediaset, forderten die Staatsanwälte drei Jahre und vier Monate Haft. Die höchste Haftstrafe – sechs Jahre – wurde für den Banker Paolo Del Bue gefordert. Mit einem Urteil ist erst im Herbst zu rechnen.Gegen den Ex-Premier läuft noch ein Prozess im Zusammenhang mit der Sexaffäre um die „Ruby“ genannte minderjährige Marokkanerin Karima al-Marough. Die Mailänder Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, das Mädchen bei ausschweifenden Partys zwischen Februar und Mai 2010 für Sex bezahlt zu haben. Berlusconi wird auch des Amtsmissbrauchs beschuldigt. apa