„Es wäre alles zum Lachen, wenn die Ermittler nicht auch meinen Sohn belastet hätten“, wurde Berlusconi von der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ am Samstag zitiert.Der Premier wittert hinter den Vorwürfen einen Komplott von politisch beeinflussten Richtern, um eine Justizreform zu stoppen, die seine Regierung in den kommenden Wochen verabschieden will. Die Reform sieht eine Trennung der Karriere von Staatsanwälten und Richtern vor. „Die Richter wollen die Justizreform stoppen, es wird aber nicht gelingen“, betonte Berlusconi.Bei den neu eröffneten Ermittlungen gegen Berlusconi und seinen Sohn geht es um Steuererklärungen aus den Jahren 2003 und 2004. In dieser Zeit hatte das Unternehmen RTI, eine hundertprozentige Tochter von Mediaset, seinen Sitz in Rom und musste daher dort seine Steuererklärungen einreichen. Außer dem Regierungschef und dem stellvertretenden Mediaset-Präsidenten Piersilvio Berlusconi sind ein Dutzend Mediaset-Manager im Visier der Ermittler. Berlusconi und sein Sohn sollen am 26. Oktober in Rom befragt werden.Die Ermittlungen in Rom sind Teil eines größeren Verfahrens in Mailand, dem Sitz von Mediaset. Dabei geht es um den Vorwurf, der Konzern habe in den 90er Jahren mit Hilfe von Briefkastenfirmen die Preise für Übertragungsrechte von Filmen künstlich in die Höhe getrieben. Durch solche Machenschaften könnte Berlusconi Schwarzgelder im Ausland angelegt und die Gewinne für Mediaset in Italien gesenkt haben, um weniger Steuern bezahlen zu müssen. Auf derartige Vergehen stehen Haftstrafen zwischen eineinhalb und sechs Jahren.Der Prozess in Mailand sowie ein weiteres Verfahren gegen Berlusconi wegen Bestechung seines früheren Anwalts David Mills für Falschaussagen wurden im April ausgesetzt. Die zuständigen Gerichte warten auf das Urteil des Verfassungsgerichts über ein im März verabschiedetes Gesetz der Regierung Berlusconi, das eine Strafverfolgung von Regierungsmitgliedern stark erschwert. Es sieht vor, dass der Regierungschef und seine Minister aus dienstlichen Gründen maximal 18 Monate lang nicht dazu gezwungen werden können, vor Gericht zu erscheinen. Die Entscheidung der Verfassungsrichter wird für Mitte Dezember erwartet. apa