Berlusconi wolle sich bei Präsident Giorgio Napolitano einschalten, damit er Druck auf Fini für seinen Rücktritt ausübe, berichtete Bossi in der Nacht auf Dienstag nach einem mehrstündigen Treffen mit dem Premierminister in Mailand, bei dem über die Koalitionskrise diskutiert wurde.„Wir haben beschlossen, zum Präsidenten zu gehen, nicht um den Rücktritt der Regierung einzureichen, sondern, um Finis Rücktritt vom Posten des Präsidenten der Abgeordnetenkammer zu verlangen“, berichtete Bossi. Nachdem er mit Berlusconi offen in Konflikt geraten ist, sei Fini nicht mehr in der Lage auf unparteiische Weise sein Amt als Parlamentspräsidenten auszuüben, meinte Bossi.Berlusconi äußerte sich nicht persönlich. In einer Presseaussendung, die nach dem Gespräch mit Bossi veröffentlicht wurde, bezeichnete er jedoch die Ansprache Finis bei einer Veranstaltung mit seinen Anhängern in Mirabello am Sonntag für unannehmbar. Fini hatte die mit Berlusconi gemeinsam gegründete Mitte-Rechts-Partei „Popolo della liberta“ als tot bezeichnet. Fini hatte Berlusconis autoritären Führungsstil als „stalinistisch“ bezeichnet, hatte sich jedoch bereiterklärt, die Regierung im Parlament weiter zu unterstützen. Fini hatte Berlusconi Untätigkeit bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise und der hohen Jugendarbeitslosigkeit vorgeworfen. Stattdessen befasse sich der Premier vor allem mit Justizfragen, die ihm persönlich nützen könnten, kritisierte Fini.„Finis Worte sind ein klarer Beweis, dass er gegen die Koalitions- und Regierungskräfte feindselig eingestellt ist. Das ist mit seiner Funktion als unparteiischer Präsident der Abgeordnetenkammer vollkommen unverträglich“, hieß es in der Presseaussendung.Bossi sprach sich für sofortige Neuwahlen aus. Laut der Lega könnte Italien sogar schon am 27. und am 28. November wählen. Die Lega befürchte vorgezogene Wahlen nicht, meinte Bossi. „Für Berlusconi wird es jetzt eng: Wenn er täglich im Parlament bei Fini und der christdemokratischen UDC um Stimmen betteln muss, um ein Gesetz durchzubringen, wird er nicht lang überleben“, betonte Bossi.Nach einer wochenlangen Regierungskrise hatte Berlusconi Ende August angekündigt, er werde im September im Parlament die Vertrauensfrage in fünf für ihn wichtigen Punkten stellen: Justiz, Finanzwesen, Föderalismus, Hilfe für den Süden des Landes und Sicherheitspolitik. Finis Ankündigung vom Sonntag lässt nun erwarten, dass der Regierungschef die Abstimmung trotz des Bruchs mit seinem ehemaligen Partner überstehen wird.apa