Dies berichtete am Freitag Berlusconis Rechtsanwalt Piero Longo. Berlusconi habe den Ermittlern ein fünfseitiges Dossier vorgelegt, in dem er bestreitet, Opfer einer Erpressungsaffäre zu sein und werde daher die Staatsanwälte nicht treffen.Schon am Dienstag hatte sich der Premier einer Befragung durch die neapolitanischen Staatsanwälte verweigert. Grund war eine mit der Schuldenkrise begründete Brüssel-Reise des Premiers, der unter anderem mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy konferieren wollte. Die Staatsanwälte schlugen daraufhin einen weiteren Termin für kommenden Sonntag vor. Sollte der Premier die Befragung weiterhin verweigern, könnten die Staatsanwälte dem Parlament einen Antrag auf eine zwangsweise Vernehmung Berlusconis stellen.Berlusconi soll vom süditalienischen Unternehmer Giampaolo Tarantini und seiner Ehefrau erpresst worden sein. Die beiden sollen vom Premier 850.000 Euro für Falschaussagen über Callgirls erpresst haben, die in den Residenzen des Premiers in Rom und auf Sardinien ein- und ausgingen. Premier Berlusconi bekräftigte im Dossier für die Ermittler, dass er kein Opfer einer Erpressung sei. Er habe Tarantini freiwillig geholfen, nachdem er wegen der gegen ihn laufenden Ermittlungen in Schwierigkeiten geraten war. Er habe mit seinem Geld Tarantinis Familie helfen wollen.Berlusconi wird auch am Montag bei der Wiederaufnahme eines Prozesses gegen ihn nicht erscheinen, berichtete sein Rechtsanwalt. Er sei mit der Vorbereitung eines Besuchs in den USA beschäftigt. Dem Premier wird vorgeworfen, seinem ehemaligen Anwalt David Mills für Falschaussagen vor Gericht gezahlt zu haben. Berlusconi soll Mills im Jahr 1997 insgesamt 600.000 Dollar (434.940 Euro) für Falschaussagen in Prozessen gegen sein Medienunternehmen Mediaset bezahlt haben. Beide Männer wiesen die Vorwürfe zurück. apa