„Berlusconis Rechtsanwalt zu sein, ist beängstigend und anstrengend. Man hat viel Verantwortung, weil Berlusconi seine Prozesse nicht persönlich verfolgt und sich viel auf seine Rechtsanwälte verlässt. Man arbeitet viel und je mehr man arbeitet, desto mehr macht man auch Fehler. Am Abend bin ich kaputt", gab der 50-jährige Ghedini zu, der privater Vertrauter des Premierministers und Parlamentarier seiner Partei „Popolo della Libertá" ist. „In all diesen Jahren mit Berlusconi hat sich eine Beziehung zwischen Freunden entwickelt. Wenn man einen Freund verteidigt, ist man emotional mehr involviert", erklärte Ghedini im Gespräch mit Journalisten.Nachdem das Verfassungsgericht am Mittwoch Berlusconis Immunität aufgehoben hat, sollen nun zwei Verfahren gegen den Premierminister voraussichtlich bis Jänner neu aufgenommen werden. „Wenn sich Berlusconi vor Gericht verteidigen will, wird er weniger Zeit für seine Regierungsamt haben. Für uns Rechtsanwälte ist es jedoch nützlich, wenn er vor den Richtern auftritt", sagte Ghedini.Der aus Padua stammende Rechtsanwalt schloss aus, dass Berlusconi nach der Aufhebung der Immunität zurücktreten wolle. Ein Immunitätsgesetz sei bereits 2004 vom Verfassungsgericht abgelehnt worden. Die gegen Berlusconi laufenden Prozesse waren damals fortgesetzt worden, der Premierminister war freigesprochen worden. „Das haben wir schon alles erlebt. Auch diesmal wird es zum Freispruch Berlusconis kommen", versicherte Ghedini.apa