Charisma ist nicht Bersanis Stärke. Der Politiker mit der Halbglatze aus der „roten“ Region Emilia Romagna punktet in Zeiten der Krise mit Zuverlässigkeit und Bodenständigkeit.Ausstrahlung und Extrovertiertheit sind nicht die Hauptmerkmale des umgänglichen, oft jovial anmutenden Berufspolitikers, der seit 2009 an der Spitze des PD, Italiens zweitstärkster Gruppierung, steht. Mit seinem schärfsten politischen Rivalen, dem schrillen Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, hat Bersani nur das Geburtsdatum – den 29. September – gemeinsam. Statt Verbalattacken und skurrilen Witzen bevorzugt der rhetorisch zweifellos weniger gewandte Bersani Dialog und Humor. Statt Partys und Showgirls liebt der verheiratete Vater zweier Töchter das Familienleben. Als man bei der Polit-Show „Porta a Porta“ ein Interview mit seinen alten Eltern zeigte, wurden Bersanis Augen vor Rührung feucht.Bersani, Sohn eines MechanikersDer 1951 in Bettola bei Piacenza geborene Sohn eines Mechanikers trat schon in jungen Jahren in den aktiven Dienst der Kommunistischen Partei (PCI) ein, die in der Emilia-Romagna ihre Hochburg hatte. Trotz seines kommunistischen Hintergrunds promovierte er in Bologna in Philosophie mit einer Doktorarbeit über Papst Gregor den Großen. 1993 schaffte er den Sprung ins Amt des Präsidenten seiner Region Emilia Romagna. Seinen ersten Ministerposten erhielt er in der ersten Regierung Romano Prodis von 1996 bis 1999, wo er für Industrie und Handel zuständig war. Unter Regierungschef Massimo D'Alema diente er auch noch als Verkehrsminister.Liberalisierer zugunsten der VerbraucherBersani machte sich in der Regierung Prodi zwischen 2006 und 2008 einen Ruf als Liberalisierer zugunsten der Verbraucher. Dabei legte er sich mit Notaren ebenso an wie mit Taxifahrern und Telefongesellschaften. 2009 wurde er zum Vorsitzenden der Demokratischen Partei gewählt. Als PD-Chef führte Bersani eine scharfe Opposition gegen Ex-Premier Silvio Berlusconi. Seine innenparteilichen Gegner werfen ihm mangelnde Führungsqualitäten vor. Bersani sei zwar ein Mann des Dialogs, denn er setze auf die Sprache des einfachen Volkes. Er verstehe etwas von Wirtschaft und Sozialem, allerdings fehle es ihm an Temperament. Kritiker argwöhnen gar, dass Bersani in manchem an einen Apparatschik erinnere und zu stark in der Welt der linken Gewerkschaften verhaftet geblieben sei.Bersani: „Wir wollen auf jede Form von Populismus verzichten“Bersanis Partei, die in den vergangenen Jahren nicht sehr schlagkräftig aufgetreten ist, leidet unter ihrem schwachen Profil. Die Mitte-links-Partei entstand 2007 aus dem Zusammenschluss eines breiten Spektrums von Parteien, deren bedeutendste die Margherita und die Linksdemokraten (DS) waren. Entsprechend verschwommen war bisher die Programmatik der Partei, in der es scharfe interne Richtungskämpfe gab. Die Partei strebt Reformen in Staat und Justiz an, will die Wirtschaft ankurbeln, und hat grüne Elemente.Jetzt geht Bersani in einer dramatischen Phase für das von einer tiefen Rezession geplagte Italien in den Wahlkampf. „Wir müssen gewinnen, ohne den Italienern Märchen zu erzählen und falsche Versprechen zu machen. Wir wollen auf jede Form von Populismus verzichten“, betonte Bersani nach seiner Kür zum Premierkandidaten. Ob Bersani gegen seinen Erzrivalen Berlusconi ins Rennen gehen wird, ist noch unklar. Der Ex-Regierungschef hat in den letzten Tagen erneut mit Aussagen über seine politische Zukunft verwirrt, indem er erklärte, er denke gerade darüber nach, wieder in die Politik zurückzukehren.mit