800 Plakate wurden gestern beschlagnahmt. Gegen Klotz und Knoll wird wegen „Schmähung der italienischen Fahne“ ermittelt.Die Staatsanwaltschaft hat die Beschlagnahme bei Untersuchungsrichterin Isabella Martin beantragt, weil „durch die Verfügbarkeit die konkrete Gefahr bestehe, die Folgen der strafbaren Handlung zu erschweren.“ Beamte der Digos und der Carabinieri zogen daraufhin rund 800 Plakate beim Plakatierungsdienst „Südpla“ ein. Stein des Anstoßes ist die Abbildung eines Besens auf den Plakaten, der die italienische Fahne vor sich herschiebt und eine weiß-rote Tiroler Spur nach sich zieht. „Damit wollen wir zum Ausdruck bringen, dass sich Italien aus Südtirol zurückziehen soll: 90 Jahre sind genug,“ so Klotz.Die Ermittler deuten das anders. Der Besen fege die italienische Fahne „wie Schmutz weg, was zweifellos einer Verunglimpfung“ gleichkomme. Laut Verfügung werde dadurch „die Fahne verächtlich gemacht und herabgewürdigt“, es werde „beschimpfender Unfug“ an der Flagge verübt. "Halten Gesellschaft einen Spiegel vor" Diese Missachtung werde in „rohem Maße für alle erkennbar, die das Plakat sehen.“ Das Recht auf Meinungsfreiheit komme nicht zum Tragen, da das Recht der Institutionen und Symbole verletzt werde, ihr Ansehen nicht herabgesetzt zu sehen. „Ein Kehraus ist in der deutschen Sprache keine Beleidigung: Sonst würde man ja auch den Fasching beim Kehraus beleidigen. Es bedeutet nur, dass man etwas wegkehrt. Wir würden mit dem Plakat auch die Tiroler Fahne beleidigen, sie ist ja auch mit dem Besen zu sehen,“ sagt Eva Klotz. Auch Sven Knoll steht weiterhin voll hinter der Aktion. „Sie trägt dazu bei, der Gesellschaft einen Spiegel vors Gesicht zu halten, wie es um die freie Meinungsäußerung bestellt ist“, meint er. Die Reaktion auf die Plakate zeige auch, „wie das Recht gedehnt wird: In Gastlokalen sind Zuckerpäckchen im Umlauf, auf denen Mussolini abgebildet ist und wieder andere, auf denen steht: Duce, sei sempre nel mio cuore (Duce, du bist immer in meinem Herzen). Das stört offensichtlich niemanden, hier wird mit zweierlei Maß gemessen.“"Wir werden weiterhin offen sprechen" Dem Ausgang der Ermittlungen wegen Verstoßes gegen Artikel 292 des italienischen Strafgesetzes (Schmähung der italienischen Fahne) sieht Klotz gelassen und gewappnet entgegen – „und nicht nur mit einem Besen.“Man werde Geldbußen und die Androhung von Haftstrafen ertragen, wenn diese der Preis für freie Meinungsäußerung seien. "Keinesfalls werden wir uns von Italien jedoch das Recht nehmen lassen, offen aufzusprechen, was wir von einem solchen Staat halten", bekräftigt die Bewegung "Süd-Tiroler Freiheit" in einer Aussendung am Donnerstag. rc/D/stol