Hatten Rom, Venedig und Turin in den vergangenen Jahren dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter die Schlüssel der Stadt als Zeichen des Respekts für seinen Einsatz für den Frieden feierlich vergeben, so machte Mailand einen überraschenden Rückzieher. Nach starkem Druck aus Peking verzichtete Italiens Wirtschaftshauptstadt, dem Dalai Lama die Ehrenbürgerschaft bei einer Zeremonie zu verleihen, der alle im Stadtrat vertretenen Parteien bereits zugestimmt hatten.Peking gab zu verstehen, dass China die in Mailand geplante Weltexpo 2015 boykottieren könnte, sollte der Dalai Lama die Schlüssel der lombardischen Hauptstadt erhalten. Die Chinesen planen im Rahmen der Weltexpo einen eigenen Pavillon, über eine Million Besucher werden aus der asiatischen Macht erwartet. Der Verzicht des Mailänder Stadtrats, dem Dalai Lama die Staatsbürgerschaft zu verleihen, löste bei Tibet-Aktivisten heftige Reaktionen aus.Zwar wird der Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia am kommenden Dienstag den Dalai Lama im Rathaus Palazzo Marino empfangen, die feierliche Zeremonie zur Vergabe der Ehrenbürgerschaft wird jedoch ausfallen. Der Dalai Lama wird in Mailand zu einem Besuch erwartet, bei dem er Vorträge und Seminare halten wird. Am Dienstag wird der Dalai Lama die „Stadt des Friedens“ einweihen, eine Einrichtung für Kinder, die von der Friedens-Nobelpreisträgerin Betty Williams entworfen wurde.Der Dalai Lama hat am Sonntag inzwischen das von zwei schweren Erdbeben im Mai zerstörte Gebiet in der Region Emilia Romagna besucht. Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter im Exil reiste in die am 20. und 29. Mai stark betroffene Kleinstadt Mirandola, wo er Obdachlose und Familien der 26 Opfer traf. Bei hohen Temperaturen besuchte er das Zeltlager von Mirandola und machte den Obdachlosen Mut. Mit ihnen beteiligte er sich an einer Gebetszeremonie. apa