Thomas Schuster, Bürgermeister der Gemeinde Rasen-Antholz, ist am Tag nach der Veröffentlichung des Staatsratsurteils tief getroffen. „Wir sind in einer sehr schwierigen Situation“, sagt er offen – und meint, es sei nun wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Schnellschüsse bringen jetzt nichts.“<BR /><BR />Seine Enttäuschung über das Urteil kann er aber nicht verbergen – und will es auch nicht. „Wir wussten, dass es nach den letzten Entscheidungen Konsequenzen geben wird.“ Dass diese aber derart heftig ausfallen, habe sich niemand erwartet. Denn der Staatsrat habe die Argumente der Gemeindeverwaltung in keiner Weise berücksichtigt.<h3> Umfangreiche Arbeiten</h3>Was war geschehen? Bekanntlich sollte das Antholzer Biathlonstadion für die Olympischen Winterspiele 2026 erneuert und ausgebaut werden. Umfangreiche Arbeiten wurden ausgeschrieben. 2 Unternehmen bewarben sich dafür: die Unionbau AG und die Bietergemeinschaft Gasser/Ploner. Ausschreibungssieger wurde zunächst die Unionbau. Es folgte ein Rekurs von Gasser/Ploner, woraufhin es zur zweiten Bewertung kam. Wieder hatte die Unionbau die Nase knapp vorn.<BR /><BR />Nach einem neuerlichen Rekurs und der folgenden Neubewertung wurde schließlich Gasser/Ploner zum Sieger erklärt. Den Auftrag übergab ihr die Gemeinde aber nicht, weil die Arbeiten in ihren Augen schon weit fortgeschritten waren und ein Wechsel der Baufirma quasi unmöglich war.<BR /><BR />Wieder wandte sich die Bietergemeinschaft Gasser/Ploner ans Gericht – und bekam ein weiteres Mal Recht. Am Montag wurde das Urteil des Staatsrates veröffentlicht, der die Gemeinde Rasen-Antholz zur Zahlung von 2,7 Millionen Euro an Gasser/Ploner verdonnert – als Entschädigung für den entgangenen Auftrag.<h3> Überraschendes Urteil</h3>„Das Urteil hat uns sehr überrascht“, sagt Bürgermeister Thomas Schuster. „Denn wir haben uns keine der Entscheidungen, die wir getroffen haben, leicht gemacht.“ Und jeder Beschluss sei vorab umfassend geprüft und auch mit Gutachten belegt worden. „Zu keinem Zeitpunkt wollten wir ein Unternehmen bevorzugen oder benachteiligen.“ Es sei sogar eine Mediation gestartet worden, um eine Lösung des Problems herbeiführen zu können. Irgendwann habe dann eine Entscheidung getroffen werden müssen, weil man ja auch Zeitdruck gehabt habe. „Wir hatten schließlich 2024 einen Biathlon-Weltcup durchzuführen.“<BR /><BR />Die Argumente der Gemeinde ließ der Staatsrat aber nicht gelten, ihre Bewertungen und Gutachten verwarf er. Und ging sogar noch einen Schritt weiter, indem er die Überstellung der Akten an den Rechnungshof anordnete. Der Grund dafür: Die Verwaltung habe möglicherweise fahrlässig und vorsätzlich gehandelt.<BR /><BR />Bürgermeister Schuster kann das nicht nachvollziehen. „Wir haben nie und nimmer Entscheidungen bewusst für oder gegen jemanden getroffen“, erklärt er. „Wir strebten Lösungen für ein Problem an – und das einigermaßen rasch, weil wir Zeitdruck hatten.“ Von fahrlässig oder gar vorsätzlich könne keine Rede sein. „Wir haben im Zuge des Verfahrens sogar selbst Unterlagen an den Rechnungshof weitergeleitet, um hier möglichst transparent zu arbeiten.“<h3> Wurden Fehler gemacht?</h3>Möglicherweise seien in der Bewertung der Vergabekriterien Fehler gemacht worden, räumt der Bürgermeister ein. „Diese waren uns damals aber ganz gewiss nicht bewusst.“ Schließlich sei das Bauprojekt eine technisch und rechtlich höchst komplexe und schwierige Angelegenheit. „Wir haben aber stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“<BR /><BR />Wie es jetzt weitergeht, weiß Thomas Schuster noch nicht. „Das Urteil des Staatsrates ist sehr umfangreich. Es braucht sicher ein bisschen Zeit, bis wir alles genau geprüft haben.“ Erst dann könne über weitere Schritte entschieden werden. Auch darüber, ob die Gemeindeverwaltung einen Rekurs anstrebe. „Jetzt ist es noch zu früh, dazu etwas zu sagen.“<BR /><BR />Auch über seine politische Zukunft will sich der Bürgermeister nicht äußern. Noch nicht. Er stellt dann aber fest: „Eine politische Verantwortung für Entscheidungen gibt es immer. Und die muss man als Verwalter auch bereit sein zu übernehmen.“