Mittwoch, 04. November 2020

Biden mit verbesserten Siegchancen – langwierige Auszählung

Die Lager der Demokraten und Republikaner haben am Mittwochmorgen (Ortszeit) beide Optimismus ausgestrahlt, doch bei der Auszählung der noch offenen Stimmen besserten sich weiter die Chancen des Demokraten Joe Biden auf den Sieg. Er lag in Michigan und Wisconsin vorne. Zusammen mit Arizona und Nevada würde das zum Sieg reichen.

Joe Biden hat landesweit etwa 2,6 Millionen mehr Stimmen erhalten als Donald Trump.
Joe Biden hat landesweit etwa 2,6 Millionen mehr Stimmen erhalten als Donald Trump. - Foto: © APA/afp / JIM WATSON
Allerdings hatte es in der Früh Meldungen gegeben, wonach es in Arizona zu Problemen bei der Dateneingabe der Ergebnisse gekommen sei. Es war unklar, wie viele Stimmen dort noch ausstanden.

Es könnte noch Tage dauern, bis die Verantwortlichen in den US-Staaten ein vorläufiges Ergebnis ausrufen. In Pennsylvania stand noch die Auszählung von mehr als einer Million abgegebener Stimmen aus. Hier hatten Verantwortliche eingeräumt, dass es schlimmstenfalls noch Tage bis zu einem Ergebnis dauert.

In Pennsylvania führte nach Auszählung von rund 80 Prozent der Stimmen Amtsinhaber Trump. Auch in Georgia und mit einigem Abstand North Carolina hatte Biden noch geringe Chancen auf Überraschungen in letzter Minute, weil unter anderem noch in der Großstadt Atlanta viele Stimmen ausstanden. In beiden Staaten führte Trump nach Auszählung von über 90 Prozent der Stimmen knapp.

Der Mehrheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, hält die Präsidentenwahl in den USA noch nicht für entschieden. Das Land werde bald sehen, wie die Entscheidung der Wähler ausgefallen sei, sagte der Vertraute von Amtsinhaber Trump am Mittwoch vor Journalisten. „Wir wissen noch nicht, wer das Rennen um die Präsidentschaft gewonnen hat“, sagte er. Der Republikaner Trump hatte sich in der Nacht auf Mittwoch zum Sieger erklärt, obwohl die Auszählung der Stimmen in mehreren US-Staaten noch Stunden später andauert.

McConnell sagte zudem, dass er Trumps Ankündigung, den Kampf um die Wahl vor Gericht fortzusetzen, für unproblematisch halte. Bei einem knappem Wahlergebnis „ist das schon früher passiert und könnte auch dieses Mal passieren“, sagte McConnell. „Vor Gericht zu gehen, ist der Weg, wie wir Unsicherheiten auflösen“, sagte er.

Die Auszählung zieht sich wegen des hohen Briefwahlanteils hin. Die Beglaubigung dieser Stimmen ist in den USA oft ein langwieriger Prozess, teils müssen Unterschriften einzeln mit denen des Wählerverzeichnisses verglichen werden. In den drei Staaten Wisconsin, Michigan und Pennsylvania hatte die Republikanische Partei Bestrebungen gestoppt, Wahlumschläge schon vor dem Wahl-Dienstag zu öffnen.

Wer braucht welche Staaten für einen Sieg?

Insgesamt 270 Wahlmännerstimmen sind für eine Mehrheit bei der US-Präsidentschaftswahl nötig. Je nach Medium hat Joe Biden bei noch fehlenden 7 oder 8 Staaten davon bereits 227 oder 238 sicher, Donald Trump kommt auf 213. Der Unterschied rührt daher, dass die einen Medien bereits Arizona Biden zugeschlagen haben, andere noch nicht. Mit Siegen in Nevada, Michigan und Wisconsin könnte Biden schon auf die nötige Mehrheit kommen.

Geht man davon aus, dass Arizona (11 Wahlmänner) tatsächlich an Biden fällt, braucht er noch 32 Stimmen für einen Sieg. Diese könnte er in Nevada (6 Wahlmänner), Wisconsin (10 Wahlmänner) und Michigan (16 Wahlmänner) exakt holen, wo er jeweils knapp in Führung liegt.

Sollte Biden Michigan nicht gewinnen, könnte er auf Georgia „ausweichen“, wo es ebenfalls knapp hergeht und auch 16 Wahlmännerstimmen zu vergeben sind. Länger ist der Weg zum Sieg für ihn in Pennsylvania (20 Stimmen), wo Trump ohne Briefwahlstimmen noch klar voran liegt. Eng ist es auch in North Carolina mit einer knappen Trump-Führung. Dort sind allerdings „nur“ 15 Wahlmänner zu vergeben. Sollte Biden also „nur“ Nevada und Wisconsin holen, reicht ihm allein North Carolina nicht zur Mehrheit.

Trump braucht umgekehrt noch 57 Wahlmänner zum Sieg. Fällt Arizona wie von manchen Medien bereits verkündet tatsächlich an Biden, muss er alle Staaten gewinnen, in denen er in Führung liegt und auch in Nevada, Michigan oder Wisconsin auf eine Trendwende hoffen.

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Praktisch fix ist ein Trump-Sieg nur in Alaska (3 Wahlmänner). Die restlichen 54 Stimmen könnte er in Pennsylvania (20 Wahlmänner), Georgia (16), North Carolina (15) und einem der 3 weiteren Staaten (Nevada, Michigan. Wisconsin) holen.

Biden bei absoluter Stimmenzahl weit vor Trump – nicht entscheidend

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat nach vorläufigen Ergebnissen landesweit gut 2,6 Millionen Stimmen mehr erhalten als Amtsinhaber Donald Trump – diese absolute Zahl der Stimmen ist aber nicht entscheidend für das von den Mehrheiten der Einzelstaaten bestimmte Rennen um das Weiße Haus.

Nach Erhebungen der Nachrichtenagentur AP und anderer Medien entfielen bis Mittwochnachmittag (MEZ) mindestens 68,9 Millionen Stimmen auf Biden und 66,3 Millionen auf Trump. Die Auszählung der Stimmen dauerte weiter an.

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Der Leiter des Statistikportals „FiveThirtyEight“, Nate Silver, äußerte auf Twitter die Erwartung, dass Biden auch die bisherige Höchstzahl von absoluten Stimmen bei einer US-Präsidentschaftswahl übertreffen wird. Diesen bislang höchsten Wert erzielte Barack Obama bei seiner ersten Wahl 2008 mit rund 69,5 Millionen Stimmen.

Bereits vor der Wahl am Dienstag machten mehr als 100 Millionen Wähler von unterschiedlichen Möglichkeiten Gebrauch, ihre Stimme vorzeitig abzugeben. Ein Grund war vermutlich angesichts der raschen Ausbreitung der Corona-Pandemie die Angst vor der Infektionsgefahr bei persönlicher Stimmabgabe.

Nach Erhebungen von AP dürfte die Wahlbeteiligung voraussichtlich klar höher sein als vor 4 Jahren. Damals nahmen 139 Millionen Bürgerinnen und Bürger an der Wahl teil. Deutlich höhere Wahlbeteiligungen wurden unter anderem aus Florida, North Carolina, Georgia und Texas gemeldet.

dpa/apa/stol

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