Mittwoch, 20. Januar 2021

46. US-Präsident Joe Biden legt Amtseid ab

Joe Biden ist der 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Oberste Richter der USA, John Roberts, nahm dem 78-jährigen Demokraten am Mittwoch an der Westseite des US-Kapitols in Washington den Amtseid ab.

Joe Biden wurde zum 46. Präsidenten der USA vereidigt.
Joe Biden wurde zum 46. Präsidenten der USA vereidigt. - Foto: © APA/getty / ALEX WONG
Zuvor war Kamala Harris als erste Vizepräsidentin des Landes vereidigt worden. Biden löst den Republikaner Donald Trump ab, der entgegen der Tradition nicht an der Amtseinführung seines Nachfolgers teilnahm.

Biden beschwor bei seiner Amtseinführung die Stärke der amerikanischen Demokratie. „Zu dieser Stunde, meine Freunde, hat sich die Demokratie durchgesetzt“, sagte Biden. Sein Vorgänger Donald Trump hatte die Wahl als Betrug dargestellt.



„Dies ist der Tag der Demokratie, ein Tag der Geschichte und der Hoffnung auf Erneuerung und Entschlossenheit“, so Biden weiter. Es gehe nicht um den Sieg eines Kandidaten, sondern der Herrschaft des Volkes.

Zwei Wochen nach der Kapitol-Erstürmung durch radikale Anhänger seines Vorgängers versprach Biden zudem einen entschlossenen Kampf gegen Rassismus und „inländischen Terrorismus“.

Kein Massenpublikum

Die Amtseinführung stand unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Anders als üblich gab es für Biden kein Massenpublikum. Wegen der Erstürmung des Kapitols durch gewalttätige Anhänger seines Vorgängers Trump vor zwei Wochen wurden zudem die Sicherheitsvorkehrungen erheblich verschärft. Trump blieb der Vereidigung als erster scheidender Präsident seit 1869 fern. Die ehemaligen Präsidenten Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton waren anwesend.

Trump hatte sich am Nachmittag aus der US-Hauptstadt mit einem kurzen Auftritt auf der Militärbasis Andrews verabschiedet.

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200.000 Flaggen

Das Zentrum der US-Hauptstadt wurde weiträumig abgeriegelt. Neben zahlreichen Polizisten waren Tausende Mitglieder der Nationalgarde im Einsatz, die insbesondere das Kongressgebäude schützen sollten. Anstelle der Hunderttausenden Menschen fanden fast 200.000 Flaggen auf der Freifläche zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial Platz, die die fehlenden Besucher repräsentieren sollten.



Der bekennende Katholik Biden schwor auf eine massive Bibel seiner Familie - wie bei vergangenen Vereidigungen als Vizepräsident der Regierung von Ex-Präsident Barack Obama und als Senator.

Die Sängerin Lady Gaga (34) sang bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten die Nationalhymne der Vereinigten Staaten. Die Musikerin erschien in einem überdimensionalen roten Rock, mit schwarzen Handschuhen und einer Flechtfrisur. An ihrem langärmeligen schwarzen Oberteil prangte eine goldene Friedenstaube mit Zweig im Schnabel. Lady Gaga sang die Hymne in ein goldenes Mikrofon.



Hier geht's zur Video-Aufzeichnung von Bidens Amtseinführung.

Mit einer interaktiven Infografik erklärt STOL das Wichtigste rund um den „Inauguration Day“und zeigt alles Wissenswerte zu Biden und Harris.


Zweiter katholischer US-Präsident

Zuvor war Biden in die Kirche gegangen. Der Katholik Biden wurde dabei in der Cathedral of St. Matthew in Washington unter anderem von den Spitzen der Demokraten und Republikaner im US-Kongress begleitet.

Biden ist nach John F. Kennedy erst der zweite katholische US-Präsident. Mit ihm in die Kirche ging unter anderem auch der wichtigste Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell. Er gehörte in den vergangenen Jahren zu den einflussreichsten Verbündeten Trumps. McConnell distanziert sich aber vom scheidenden Präsidenten nach dem Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol in Washington.

Aufmunternde Worte von Obama

Biden hatte kurz vor seiner Vereidigung noch aufmunternde Worte von seinem einstigen Chef Barack Obama erhalten. „Glückwünsche an meinen Freund, Präsident Joe Biden. Jetzt ist deine Zeit“, schrieb der Ex-Präsident am Mittwoch in den sozialen Netzwerken. Biden war 8 Jahre lang Vizepräsident während Obamas Amtszeit. Er selbst schrieb bei Twitter: „Es bricht ein neuer Tag an in Amerika.“

apa/dpa/stol