„Es ist offenkundig, dass wir verloren haben. Wir müssen aber weitermachen, die Nerven bewahren. Die Regierungskoalition ist geschlossen und willig, wichtige Reformen durchzusetzen“, sagte der Premier am Dienstagabend. Er selbst vernahm das Wahlergebnis in Rumänien, wo er sich derzeit zu einem politischen Besuch aufhält."Ich trage keinerlei Verantwortung für das Wahldebakel" Dass er erst am Abend die Wahl, die er im Vorfeld zum nationalen Test erklärt hatte, kommentierte, ist für den Medien-Mann Berlusconi vielsagend. Die Wahlschlappe werde ihn anspornen, noch entschlossener weiterzuarbeiten, betonte er. „Ich bin ein Kämpfer und gebe nicht auf“, versicherte der Premier. Vorrangig sei seiner Ansicht nach jetzt eine Steuer- und Justizreform, ein Plan zur Entwicklung Süditaliens und die Umsetzung des Föderalismus. "Immer wenn ich besiegt werde, verdreifache ich meine Kräfte", so der Ministerpräsident, der jegliche (persönliche) Schuld am Wahldebakel für die Mitte-Rechts-Koalition bestritt. "Ich trage dafür keinerlei Verantwortung." "Die Mailänder können jetzt nur noch beten" Dann holte er erneut zum Generalangriff auf Mitte-Links aus: Den Mailändern bleibe nun nichts mehr anderes, als zu Gott zu beten, dass ihnen nichts Schlimmes geschehe. Auch IdV-Kandidat Luigi De Magistris, der in Neapel mehr als souverän siegte, blieb nicht verschont. "In Neapel wird man diese Wahl noch bereuen". Der Ministerpräsident plant bereits für Dienstag ein Treffen mit der Parteispitze in Rom, um eine Strategie für den Neubeginn zu bestimmen.Maroni: Die Regierung ist nicht gefährdetInnenminister Roberto Maroni bestritt, dass die Regierung Berlusconi nach der Wahlniederlage auf der Kippe sei. „Die Regierung ist nicht gefährdet. Wir müssen aber für einen Neubeginn arbeiten, nur so können wir auf die Forderung der Bürger reagieren“, meinte Maroni. Laut Außenminister Franco Frattini habe Italien im Parlament keine Alternative zu dieser Regierung.Fini: „Berlusconi erntet, was er gesät hat“ Anders sieht die Lage der Koordinator der Berlusconi-Partei PdL Sandro Bondi, der seinen Rücktritt einreichte. „Berlusconi muss jetzt freie Hand bei jedem Beschluss haben, der die Zukunft der Partei betrifft“, erklärte Bondi. „Es ist offenkundig, dass unsere Partei tiefgreifend neu organisiert werden muss. Wir müssen die Wähler davon überzeugen, dass wir einen Plan für einen Neubeginn haben. Berlusconi muss sich ab den nächsten Tagen um die Zukunft der Partei kümmern“, sagte der Berlusconi-Vertrauensmann Enrico La Loggia. Scharfe Kritik musste Berlusconi von seinem ehemaligen Verbündeten Gianfranco Fini hinnehmen, von dem er sich vor einem Jahr im Streit getrennt hatte. „Berlusconi erntet, was er gesät hat. Auch wenn die Regierung nicht stürzt, ist die Ära Berlusconi in Italien zu Ende. Der Premier kann nur sich und seine Ratgeber für diese Niederlage verantwortlich machen“, kommentierte Fini. Opposition wittert Aufwind Die Opposition wittert indessen Aufwind. „Berlusconis Koalition hat keine Mehrheit im Land mehr. Der Premier soll nach Hause gehen, damit Neuwahlen ausgeschrieben werden können. Wir haben einen lawinenartigen Erfolg geerntet. Die Italiener wollen für den moralischen Neubeginn des Landes arbeiten. Jetzt müssen wir in der Lage sein, den Italienern eine Alternative zu bieten“, kommentierte Oppositionschef Pierluigi Bersani. „Berlusconi muss die Konsequenzen aus dieser Niederlage ziehen. Er hat diesem Urnengang eine nationale Relevanz eingeräumt. Zum Wohl des Landes soll er zurücktreten„, sagte Rosy Bindi, Präsidentin des PD. Zufrieden zeigte sich auch die PD-Parlamentarierin Laura Garavini. „Wir brauchen jetzt so schnell wie möglich Neuwahlen, denn Italien will mit der Ära Berlusconi Schluss machen. Die Kommunalwahlen beweisen, dass dies der Wunsch der Mehrheit der Italiener ist, im Norden und im Süden“, so Garavini. Auch die Gewerkschaft CGIL begrüßte das Wahlergebnis. „Das Land hat Berlusconis Lügen satt“, sagte CGIL-Chefin, Susanna Camusso.Hier lesen Sie die Wahlergebnisse und eine erste Wahlanalyse. mit/stol