Blutiger Sekten-Terror in Nigeria: Bei einer Serie von Anschlägen auf Kirchen und die Sicherheitsbehörden sind in dem westafrikanischen Land Dutzende Menschen getötet worden. Das nigerianische Rote Kreuz sprach von 65 Toten, in anderen Berichten ist laut der nigerianischen Zeitung „The Nation“ von über 90 Toten die Rede.Zu den Anschlägen im Bundesstaat Yobe bekannte sich die radikalislamische Sekte Boko Haram. Es wäre ihre bisher butigste Anschlagserie an einem Tag. Die Sekte, die übersetzt in etwa „westliche Erziehung ist eine Sünde“ heißt, verübt seit Jahren immer wieder Anschläge auf Polizeistationen und christliche Kirchen.Begonnen hatte die Anschlagsserie am Freitag im Bundesstaat Borno. In der dortigen Bundeshauptstadt Maiduguri sprengten Sektenmitglieder einen mit Sprengstoff beladenden Jeep vor dem Gebäude einer Regierungsbehörde in die Luft. Aufgabe der Behörde sei es, den Kampf gegen die Sekte zu koordinieren, berichtete die Zeitung „The Nation“.Später begann dann die 90-minütige Anschlagserie in der Hauptstadt des angrenzenden nordöstlichen Bundesstaates Yobe, Damaturu. Neben Banken, Polizeistationen wurden vor allem katholische Kirchen und ein theologisches Seminar angegriffen. Ein katholischer Priester sagte „The Nation“, seine Kirche sei niedergebrannt worden, acht anderer Kirchen seien attackiert worden. Banden junger Männer seien durch die Straßen gezogen und hätten Brandbomben in die Kirchen geworfen.Nach Angaben des BBC-Korrespondenten in Nigeria gab es auch längere Schusswechsel, zahlreiche Bewohner hätten fluchtartig die betroffenen Viertel verlassen. Auch am Sonntag herrschte unter den Bewohnern immer noch Angst. Viele Menschen fürchteten, dass Boko Haram noch einmal zuschlagen könnte, berichtete die BBC aus Nigeria.Seit Monaten hatten Mitglieder der Sekte immer wieder Bomben in Kneipen geworfen, die sie als Ort der Sünde ablehnen. Im August waren bei einem Selbstmordanschlag auf die UN-Gebäude in der Hauptstadt Abuja mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Auch in diesem Fall wurde die Boko Haram als Drahtzieher vermutet.Die Sekte lehnt jeden westlichen Lebensstil ab. Unter anderem ist sie strikt gegen Alkoholgenuss. Die 2002 gegründete Gruppe bezeichnet sich selbst auch als „nigerianische Taliban“.dpa