Freitag, 27. März 2020

Boris Johnson positiv auf Corona getestet

Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. Das teilte er am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er habe milde Symptome, Husten und Fieber, entwickelt, sagte Johnson in einer Videobotschaft. „Ich arbeite von zuhause, ich bin in Selbstisolation“, sagte der Premier.

Jetzt hat es auch den britischen Premierminister erwischt.
Jetzt hat es auch den britischen Premierminister erwischt. - Foto: © APA (AFP) / TOLGA AKMEN
Dank moderner Technologie könne er weiterhin mit seinem Top-Team kommunizieren, um den Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie in seinem Land anzuführen. Johnson dankte dem Nationalen Gesundheitsdienst NHS, weiteren Mitarbeitern des Öffentlichen Diensts und etwa 600.000 Menschen, die sich als freiwillige Helfer gemeldet hatten.

Der 55-Jährige hatte noch am Mittwoch an der wöchentlichen Frage-und-Antwort-Sitzung des Premierministers im Unterhaus teilgenommen. „Der Premierminister wurde auf persönlichen Rat von Englands Chief Medical Officer, Professor Chris Whitty, auf Coronaviren getestet“, sagte ein Sprecher. Der Test sei am Amtssitz in der Londoner Downing Street Nr. 10 von Mitarbeitern der Nationalen Gesundheitsbehörde (NHS) durchgeführt worden.

US-Präsident Donald Trump wünschte Johnson eine „rasche Genesung“. Beide hätten in einem Gespräch vereinbart, bei der Bekämpfung des Coronavirus und der Stärkung der Weltwirtschaft weiter eng zusammenzuarbeiten, erklärte das Weiße Haus. Die Beiden seien zuversichtlich, dass die beiden Staaten „stärker als je zuvor“ aus der Krise hervorgehen würden, hieß es weiter.

Nach Johnson wurde auch Gesundheitsminister Matt Hancock positiv auf das Coronavirus getestet. Das teilte Hancock am Freitag per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Auch er habe nur milde Symptome, sagte der Minister in einer Videobotschaft. Er begibt sich wie Johnson in häusliche Isolation und kündigte an, aus dem Homeoffice zu arbeiten. „Wir können alle lernen, dass Arbeiten von zuhause wirklich, wirklich effektiv sein kann“, so Hancock.

Königin Elizabeth II. hat Johnson zuletzt vor mehr als zwei Wochen persönlich getroffen. Das teilte der Buckingham-Palast am Freitag in London mit. Die 93-Jährige sei weiterhin bei guter Gesundheit. „Die Queen hat den Premierminister zuletzt am 11. März gesehen und befolgt die entsprechenden Ratschläge hinsichtlich ihres Wohlergehens“, hieß es in der Mitteilung.

Elizabeth II. und Prinz Philip (98) hatten sich bereits vergangene Woche zu einem vorgezogenen Osteraufenthalt auf Schloss Windsor zurückgezogen. Die Queen und ihr Mann gelten aufgrund ihres hohen Alters als besonders von der Lungenkrankheit Covid-19 gefährdet, die durch das Coronavirus hervorgerufen wird. Berichten zufolge will sich die Queen in den kommenden Wochen wegen der Coronavirus-Pandemie mit einer Ansprache an ihr Volk wenden.

Bereits am Mittwoch war bekannt geworden, dass sich auch Thronfolger Prinz Charles mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert hat. Doch auch bei ihm sollen die Symptome mild sein. Mit seinen 71 Jahren gehört Prinz Charles jedoch bereits zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko.

Großbritannien hatte am Donnerstag erstmals mehr als 100 Todesfälle in einem Zeitraum von 24 Stunden durch das neuartige Coronavirus verzeichnet. Wie das Gesundheitsministerium in London mitteilte, starben seit Mittwoch 115 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. Die Zahl der Toten im Vereinigten Königreich stieg damit auf 578 an.

Rund 11.700 Menschen waren in dem Land nachweislich mit dem Virus infiziert. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte allerdings sehr viel höher sein. Großbritannien hat bisher nur wenige Tests durchgeführt und lange mit der Einführung drastischer Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gezögert.

Auch im Kreml hat sich unterdessen erstmals ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Er könne einen Fall bestätigen, sagte Sprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Der Mitarbeiter hatte demnach keinen Kontakt zu Präsident Wladimir Putin gehabt. Der Kremlchef selbst setze seine Arbeit wie gewohnt fort, werde nun aber besser geschützt.

„Es handelt es sich um zusätzliche vorbeugende Maßnahmen, die man auch sonst anwenden sollte“, sagte Peskow, ohne Details zu nennen. In Russland gibt es mit Stand Freitag 1.036 bestätigte Corona-Infektionen und nach Angaben der Johns Hopkins Universität drei Tote.

Auch im Vatikan ist nach einem Medienbericht ein weiterer Corona-Fall aufgetreten. Damit erhöht sich die Zahl der Infektionen nach unbestätigten Angaben auf sechs. Der jüngste positive Test betrifft einen Priester aus dem vatikanischen Staatssekretariat, der seinen Wohnsitz in einer Ordensgemeinschaft außerhalb haben soll, wie die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ am Freitag laut Kathpress meldete.

Der Vatikan veröffentlicht keine regelmäßigen Informationen zum Infektionsstand unter Mitarbeitern und zur gesundheitlichen Verfassung des 83 Jahre alten Papstes.

Am Donnerstag hatte der „Messaggero“ von einem fünften bekannten Ansteckungsfall berichtet. Betroffen ist demnach ein anderer Mitarbeiter des Staatssekretariats, der inzwischen in der Gemelli-Klinik behandelt wird. Der Geistliche hatte in der vatikanischen Residenz Santa Marta gewohnt, in der auch Papst Franziskus lebt.

Nach Informationen der italienischen Zeitung „La Stampa“ (Freitag) ließ die vatikanische Apotheke vergangene Woche 700 Schnelltests für das Coronavirus über eine holländische Firma liefern. Im Vatikanstaat residieren rund 600 Personen, allerdings liegt die Zahl der Beschäftigten und Besucher um ein Vielfaches höher. Die Leitung der Apotheke und des päpstlichen Gesundheitsamts äußerten sich laut „La Stampa“ nicht auf Anfragen zu den Vorsorgemaßnahmen.

apa