Dienstag, 13. November 2018

Bozner Flugplatz wird verkauft

Wer den Bozner Flugplatz übernehmen will, muss dem Land 3,8 Millionen Euro für die ABD zahlen. Vor allem aber ist der Masterplan 2011 mitsamt vorgesehener Verlängerung der Start- und Landebahn auf 1432 Meter einzuhalten. „Das ist keine Idee von uns, sondern eine Auflage der ENAC, die für den heutigen Betreiber auch schon gilt“, sagt Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Der Bozner Flugplatz soll verkauft werden.
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Der Bozner Flugplatz soll verkauft werden. - Foto: © D

Im Juni 2016 haben sich die Südtiroler mit deutlicher Mehrheit bei einer Volksbefragung dafür entschieden, dass in den Bozner Flugplatz keine weiteren öffentlichen Gelder fließen sollen. 2 Jahre und 5 Monate später löst die Landesregierung heute ihr Versprechen ein, sich aus dem Flugplatz zurückzuziehen, indem sie die Ausschreibung ihrer Anteile an der Betreibergesellschaft ABD beschließt.

Ab Veröffentlichung der Ausschreibung haben Interessenten 60 Tage Zeit, ihre Angebote zu hinterlegen. „Verkauft werden 100 Prozent des Aktienpakets“, so Kompatscher. Der Zahl liegt eine Bewertung durch die Prüfungsgesellschaft „PricewaterhouseCooper“ zugrunde. Dass die Ausschreibungssumme mit 3,8 Mio. Euro relativ niedrig ausfällt, ist keine Überraschung. Flossen 2016 rund 5,2 Mio. Euro Steuergelder in die ABD, so waren es 2017 noch 3,9 Millionen, und 2018 werden es 3,6 Mio. Euro sein. „Diese negativen Gewinnaussichten der nächsten Jahre wurden mit einberechnet“, so Kompatscher. Sämtliche Immobilien sind zudem zweckgebunden. „Eine andere Nutzung als Flugplatz ist nicht möglich. Keiner kann ein Hotel daraus machen“, so Kompatscher.

Wer das Rennen macht, wird anhand des wirtschaftlich günstigsten Angebots entschieden. „Es zählt also nicht der Preis allein, sondern auch eventuelle Verbesserungen, die vorgeschlagen werden“, so Kompatscher.

Allemal erwirbt, wer die Aktienanteile kauft, nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Dazu zählen unter anderem Investitionen in die Sicherheit bei der Gepäckabfertigung, die das Land im Vorfeld des Referendums nicht mehr getätigt hat.

Vor allem aber – und das wird den Flugplatzgegnern gar nicht gefallen – sind laut ENAC die Sicherheitsauflagen aus dem Masterplan der Landesregierung von 2011 einzuhalten. Konkret bedeutet dies eine Verlängerung von Landebahn und Sicherheitsstreifen. Derzeit heben die Flugzeuge in Bozen von einer 1296 Meter langen Asphaltbahn ab. Laut Masterplan soll sie auf 1432 Meter verlängert werden. Die Sicherheitszone wird im Norden auf 300 Meter und im Süden auf 180 Meter erweitert.

„Das ist keine Idee der Landesregierung, sondern eine Auflage der ENAC, die für den heutigen Betreiber ABD im übrigen auch schon gilt“, betont Kompatscher. „Wir tragen dem Referendum Rechnung, ohne etwas dazu oder weg zu tun“, sagt er.

In der Tat hätten am Bozner Flugplatz schon vor Jahren die Bagger auffahren sollen. Die Baukonzession hatte sich die ABD noch unter der alten Landesregierung vor dem Staatsrat erstritten; die Arbeiten waren an die Wipptalbau vergeben worden. In Erwartung des Referendums, bei dem man über eine Verlängerung auf 1462 Meter (30 Meter mehr) abstimmte, wurden die Arbeiten aber nie vorgenommen.

Allemal könnten mit der Verlängerung der Piste auf 1432 Meter die heutigen 70-Sitzer sicherer landen. Bozen könnte dann aber auch von größeren Fliegern angeflogen werden, wie z.B. Embraer-Jets (80 bis 124 Passagiere), die in Innsbruck im Einsatz sind. „Die Verlängerung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Flugplatz langfristig wirtschaftlich funktioniert“, sagt Ex-ABD-Präsident Othmar Michaeler.

Vor einem Jahr hatten die Unternehmer Josef Gostner und Ingemar Gatterer eine Interessensbekundung in Sachen Flugplatz hinterlegt. SAD-Chef Gatterer will die Piste auf jeden Fall verlängern. „Weiterwursteln wie bisher interessiert mich nicht“, sagte er im Juli in den „Dolomiten“. Gostner hingegen war damals an einer Pistenverlängerung nicht interessiert. „Eine Linie Bozen-Rom kann man auch so fliegen“, meinte er. Wer Mitte Jänner dann tatsächlich ein Angebot hinterlegt, ist offen.

bv/D

stol