Donnerstag, 09. April 2020

Britische Abgeordnete Hobhouse: London will den No-Deal-Brexit

Die in Deutschland geborene britische Abgeordnete Wera Hobhouse glaubt trotz Corona-Krise nicht an eine Verlängerung der Brexit-Übergangsphase über das Ende dieses Jahres hinaus. „Die EU-Politiker müssen doch endlich sehen, was hier läuft: Die britische Regierung will einen No Deal-Brexit!“, sagte die liberale Politikerin der Wochenzeitung „Das Parlament“.

Großbritannien war am 31. Jänner aus der Staatengemeinschaft ausgeschieden.
Großbritannien war am 31. Jänner aus der Staatengemeinschaft ausgeschieden. - Foto: © APA/afp / JUSTIN TALLIS
Die Hardliner in der konservativen Regierungspartei von Premierminister Boris Johnson seien weder an Verhandlungen noch an einem Abkommen interessiert. Es werde Zeit, dass die EU das realisiere, forderte Hobhouse.

Großbritannien war am 31. Jänner aus der Staatengemeinschaft ausgeschieden, unterliegt aber noch bis Jahresende EU-Regeln. Bis dahin müssen beide Seiten eine Vereinbarung über die künftigen Beziehung treffen, sonst drohen vor allem der von der Coronvirus-Pandemie bereits schwer getroffenen Wirtschaft weitere Nachteile.

Doch die Verhandlungen mussten wegen der Pandemie unterbrochen werden. EU-Chefunterhändler Michel Barnier hatte sich mit dem Erreger infiziert. Medienberichten zufolge musste sich auch der britische Unterhändler David Frost vorsorglich in häusliche Isolation zurückziehen. Deshalb wird bereits seit Wochen über eine bevorstehende Verlängerung spekuliert. Die Option steht noch bis Ende Juni offen.

Die britische Regierung hat zudem derzeit ganz andere Probleme: Die Zahl der Todesfälle durch die Lungenkrankheit Covid-19 steigt weiter dramatisch an. Der mit dem Virus infizierte Premierminister Boris Johnson liegt auf der Intensivstation. Die Regierung steht in der Kritik, nicht schnell genug reagiert zu haben und schlecht vorbereitet gewesen zu sein.

Großbritannien könnte nach Berechnungen des US-amerikanischen Instituts IHME (Institute for Health Metrics and Evaluation) bis Anfang August das am schwersten von der Pandemie betroffene Land in Europa werden – mit mehr als 65.000 Toten.

apa/dpa

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