Landeshauptmann Arno Kompatscher gilt als klarer Befürworter der Verlegung der universitären Studiengänge Tourismus-, Sport- und Eventmanagement von Bruneck nach Bozen. Beim SVP-Bezirksparteitag letzthin in Mühlbach/Gais hat er diese als „sachlich notwendig“ bezeichnet. Die Studierendenzahlen in Bruneck seien rückläufig, zudem seien drei Standorte für die kleine Universität Bozen mit rund 4.000 Studierenden zu viel. Der Schritt sei seit Jahren diskutiert worden, „und ich stehe hinter dieser Entscheidung“, betonte der Landeshauptmann.<BR /><BR />Im Pustertal wird die Entscheidung weiterhin heftig kritisiert – vor allem aus den Reihen der Wirtschaft. Hotelier Lukas Brunner, Präsident des Südtiroler Wirtschaftsringes und Absolvent des Masterstudiengangs in Bruneck, bezeichnet die Entwicklung als „äußerst schade“. Die Studiengänge seien für Bruneck und das gesamte Pustertal von großer Bedeutung. Gerade die kleinen Strukturen und die Nähe zu den Professoren würden von den Studierenden sehr geschätzt. Zudem könne man in Bruneck genau dort studieren, „wo Tourismus stattfindet“.<BR /><BR />Ähnlich äußert sich HGV-Bezirksobmann Thomas Walch. Zwar könne er die Überlegungen der Universität teilweise nachvollziehen, dennoch sei es sehr bedauerlich, dass über Jahre gewachsene Studiengänge einfach aufgegeben würden. Skeptisch zeigt er sich zudem gegenüber der angekündigten Fachhochschule „New Hospitality“. Bislang gebe es dazu kaum Konkretes: „Es braucht hier endlich klare Informationen.“<h3> Entscheidung nicht zu rechtfertigen</h3>Noch kritischer sieht die Sache Carlo Runggaldier, Direktor von San Vigilio Dolomites. Es sei „sachlich nicht zu rechtfertigen“, eine touristische Hochschulausbildung aus jener Region abzuziehen, die in den stärksten Monaten bis zu 50 Prozent aller Nächtigungen in Südtirol verzeichne. Bruneck sei ein „reales Labor für Destinationsmanagement“. Gute Politik dürfe nicht alles ins Zentrum ziehen, sondern müsse bestehende Stärken vor Ort fördern. Die geplante neue Ausbildung könne nur eine Ergänzung sein, „aber niemals ein Ersatz für einen gewachsenen Hochschulstandort“.<BR /><BR />Auch Senator Hans Berger kritisiert die Verlegung deutlich. Die Zentralisierung widerspreche dem langjährigen Anspruch der SVP, die Peripherie und den ländlichen Raum zu stärken. Der Abzug der Studiengänge bedeute eine klare Abwertung des Bildungsstandorts Bruneck. Die geplante Fachhochschule sei „kein gleichwertiger Ersatz“.<BR /><BR />Versöhnlicher klingt dagegen der Hotelier Erich Falkensteiner. Die Zusammenarbeit mit dem MCI Innsbruck bewertet er positiv und sieht darin die Chance, die entstehende Lücke in Bruneck zu schließen.<BR /><BR />Bezirkspräsident Robert Alexander Steger kann der neuen Ausbildung zwar ebenfalls etwas abgewinnen, kritisiert aber das „zentralistische Vorgehen“ der Landesregierung. Die universitären Strukturen seien über Jahre im Pustertal gewachsen, die Verlegung sei daher „die falsche Entscheidung“.<BR /><BR />So sieht es auch SVP-Bezirksobmann und Senator Meinhard Durnwalder, der die Angelegenheit nochmals eingehend diskutieren will. Die Entscheidung der Landesregierung sei „nicht in Stein gemeißelt“. Man werde versuchen, die Verlegung noch abzuwenden, etwa durch eine Verlängerung der Übergangsphase. Schließlich seien die Studierendenzahlen in Bruneck deutlich besser als vom Landeshauptmann dargestellt.<h3> Teilnehmer des Treffens</h3>Neben Landeshauptmann Arno Kompatscher nehmen an dem Treffen teil: SVP-Bezirksobmann und Senator Meinhard Durnwalder, Bezirkspräsident Robert Alexander Steger, Brunecks Bürgermeister Bruno Wolf, Ex-Bürgermeister Roland Griessmair sowie die SVP-Obmannstellvertreterin und Landtagsabgeordnete Waltraud Deeg. Bildungslandesrat Philipp Achammer wird zugeschaltet.