Mittwoch, 25. März 2020

Bürgermeister fordern Quarantäne-Liste

Die Bürgermeister bekommen vom Land keine Liste jener Bürger, die in Quarantäne sind. Also kann auch nicht kontrolliert werden, ob sie sich an die Auflagen halten. „Das ist ein absoluter Wahnsinn. Ich kann nur hoffen, dass die Leute vernünftig genug sind“, sagt der Lananer Bürgermeister Harald Stauder.

In fast jeder Gemeinde befinden sich Personen in Quarantäne.
Badge Local
In fast jeder Gemeinde befinden sich Personen in Quarantäne. - Foto: © shutterstock
Indessen wurde im Trentino am Dienstag beschlossen, den Gemeinden die Namenslisten der Infizierten und häuslich Isolierten zur Kontrolle zu schicken.

Wie berichtet, bekommen die Bürgermeister vom Land seit 13. März eine Auflistung, wie viele Bürger der Gemeinde mit dem Coronavirus infiziert sind bzw. wie viele sich in häuslicher Isolation befinden. Wer diese Leute aber sind, darüber bekommen die Bürgermeister keine Auskunft. „Schon gut, dass mir mitgeteilt wird, dass 15, 16 Leute in meiner Gemeinde in Quarantäne sind, aber wir wissen nicht, wer sie sind. Wie soll so die Ortspolizei kontrollieren, ob sie sich an die Auflagen halten? Wir haben keine Möglichkeit der Kontrolle. Das ist der absolute Wahnsinn. Ich kann nur hoffen, dass die Leute vernünftig genug sind, nicht herumspazieren, in die Apotheke gehen oder was auch immer“, so Harald Stauder, Bürgermeister von Lana .

Aber nicht nur er wartet bis jetzt erfolglos auf eine Namensliste, sondern auch der Vorsitzende der Vereinigung der Ortspolizisten, Christian Carli . „Noch haben wir nichts bekommen. Aber wenn wir die Ankündigung von Landeshauptmann Kompatscher richtig interpretieren, sollte sie kommen. Wie sollen wir sonst auch kontrollieren?“, sagt Carli. Seines Wissens hätten die Carabinieri hingegen die Namensliste erhalten. Auch die Staatspolizei verfüge ersten Informationen zufolge darüber.

Druck gemacht wurde am vergangenen Freitag auch bei der Sitzung des Gemeindenverbandes. „Wir wollen die Namenslisten unbedingt, wenn wir die Ausbreitung des Virus unterbinden sollen“, betont Andreas Schatzer, Präsident des Gemeindenverbandes und Bürgermeister von Vahrn . Die Bürgermeister – besonders kleinerer Gemeinden – kennen ihre Leute. „Dazu kommt, dass Freiwillige oft alte Leute versorgen. Wenn wir wissen, wer in Quarantäne ist, können wir nicht einfach so jemanden hinschicken.“

Horst Pichler, Bürgermeister von Neumarkt , sagt lapidar: „Eine Liste mit reinen Zahlen brauche ich nicht, die finde ich auch in den Medien. Keine Namensliste, keine Kontrolle. Das ist ganz einfach, dabei sind wir Bürgermeister die obersten Zivilschützer. Aber die Rückmeldung ist immer, dass es die Privacy-Bestimmungen seien, die die Herausgabe der Liste verbieten würden. Ich habe ohnehin schon überlegt, ob ich die Gemeindepolizisten nicht zu Hause lasse, wenn sie eh nicht kontrollieren können“, so Pichler.

Auch für Kastelruths Bürgermeister Andreas Colli sind die Zahlen nicht ausreichend. „Aber bei uns kommt dazu, dass die veröffentlichten Zahlen nicht zusammenstimmen. Also wir haben im Altersheim 33 infizierte Bewohner und 15 infizierte Angestellte, macht in Summe 48. Auf der offiziellen Liste waren es bisher 46. Zudem hatten wir bereits vor den Infektionen im Martinsheim andere infizierte Bürger. Zähle ich diese zusammen, kämen wir auf 70 Infizierte und nicht auf 46“, so Colli. Seine Erklärung: Entweder Leute sind wieder gesund geworden oder aber infizierte Angestellte aus dem Martinsheim, die nicht in Kastelruth den Wohnsitz haben, werden andernorts gezählt. „Auch darüber erhalten wir keine Information“, so Colli.

Gesundheitslandesrat Thomas Widmann gab gestern Entwarnung. „Die Bürgermeister haben vollkommen Recht. Sie bekommen am heutigen Mittwoch oder spätestens Donnerstag die Listen vom Sanitätsbetrieb. Rechtliche und technische Probleme sind behoben“, so Widmann.

Alle Artikel sowie die Übersichtskarten der Lage in Südtirol, in Italien und weltweit mit allen aktuellen Zahlen in Sachen Coronavirus finden Sie hier.

d/lu

Schlagwörter: