<b>Die Gemeinderatswahlen stehen vor der Tür und damit die Kandidatensuche. Mindestens ein Drittel davon müssen Frauen sein. In der Gemeinde Percha macht man sich große Sorgen deswegen. Wie schwer sind Frauen zu finden?</b>Verena Tröger: Es wird sicherlich eine Herausforderung werden, genügend Frauen zu finden. Aber ich muss sagen, dass es ganz generell derzeit eine Herausforderung ist, überhaupt Kandidaten zu finden, unabhängig vom Geschlecht.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67798911_quote" /><BR /><b><BR />Weswegen?</b><BR />Tröger: Es herrscht eine gewisse Politikverdrossenheit. Und unter diesen Voraussetzungen ist es einfach schwer, auf Gemeindeebene Personen zu finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Zeit und Herzblut in die Sache zu legen. Wir sind aber erst mit der Kandidatensuche gestartet, noch kann ich nicht sagen, ob es – insbesondere bei den Kandidatinnen – ganz schwierig werden wird.<BR /><BR /><b>Gefühlt wird den Frauen derzeit aber doch der rote Teppich ausgerollt. Warum verfängt das nicht?</b><BR />Tröger: Weil Frauen nach wie vor eine Mehrfachbelastung haben. Ich will nicht sagen, dass sich Männer nicht auch um Kinder und Haushalt kümmern. Aber bei den Frauen bleibt doch immer noch etwas mehr hängen – und damit weniger Zeit und Energie etwa für die Gemeindepolitik übrig. Und dann ist da noch der Selbstzweifel, ob sie das denn schaffen können.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67798915_quote" /><BR /><b><BR />Überspitzt ausgedrückt scheint sich jeder Mann locker imstande zu sehen, Präsident der USA zu werden, und Frauen zweifeln, ob sie der Arbeit im Gemeinderat gewachsen sind?</b><BR />Tröger: Nun, bei den jüngeren Generationen ändert sich das. Aber die mittleren bis älteren unter uns, sind in einer Zeit aufgewachsen, in der automatisch Männer das Sagen hatten. Der Bürgermeister im Dorf war ein Mann, der Gemeindearzt ebenso, jeder Betrieb wurde von einem Mann geleitet ... Diese Sozialisierung hallt sicher noch nach. Frauen brauchen heutzutage ein gesundes Selbstbewusstsein, sie müssen sich wagen. Das ist wichtig, denn es geht um die Zukunft unserer Dörfer. Die Situation in Percha ist tragisch, aber Percha ist hoffentlich nicht überall.